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Das Ölkartell steht unter dem politischen Druck, die Förderquoten um zwei Prozent zu erhöhen. Aber der hoch spekulative Markt ist bereits gut versorgt. Ein zusätzliches Angebot könnte die Preise absacken lassen, wie es vor zehn Jahren schon einmal geschehen war. Eine Wiederholung dieser Entwicklung könnte in einigen der vom Öl abhängigen Opec-Volkwirtschaften großen Schaden anrichten.

Angebot, Nachfrage, Liquidität und Geschichte. Das sind die Faktoren, die die Erdölminister der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) bei ihrem Treffen in der kommenden Woche in Abu Dhabi im Auge behalten müssen. Nimmt man alle Punkte zusammen, dann scheint nahe zu liegen, dass das Kartell der Erdölproduzenten schlecht beraten wäre, wenn es dem politischen Druck, die tägliche Förderquote von 28 Mill. Barrel um zwei Prozent anzuheben, nachgeben würde.

Die Opec hat sich an das gehalten, was bei ihrem Treffen am 11. September vereinbart worden war: Die Förderung wurde um vier Prozent erhöht. Aber das zusätzliche Angebot scheint nicht viel bewirkt zu haben. In einer der Jahreszeit gegenläufigen Aufwärtsbewegung kletterte der Rohölpreis von rund 75 Dollar auf derzeit 92 Dollar je Barrel. Im vergangenen Monat hat Rohöl zweimal gar mit der Marke von 100 Dollar geflirtet.

Erhöhter Druck aufgrund gestiegener Nachfrage kann den Preisauftrieb nicht erklären. Im Gegenteil, die hohen Preise bewirken genau das, was man in der Theorie von ihnen erwartet: Sie halten die Kunden vom Kauf ab. Die Prognosen für den kurz- und den langfristigen Nachfragezuwachs sind nach unten revidiert worden, da selbst das schnell wachsende China jetzt stärker auf Energieeffizienz setzt. Die derzeitigen Rohöllagerbestände sind überreich bestückt.

Die Liquidität ist die Kraft, die den Ölpreis angesichts eines Angebotsniveaus, das fast Rekordmarken erreicht, in den oberen Regionen hält. Nicht dass sich Öl ganz aus der Schlinge der immer enger werdenden finanziellen Bedingungen hätte ziehen können, die so vielen Märkten die Luft abschnürt. Der Rohölpreis war gegenüber seinen Spitzenständen um zehn Prozent gefallen, bevor er am Donnerstagmorgen nach einer Explosion in einer US-Anlage wieder nach oben ging. Das ist weniger als der Absturz um 20 Prozent bei Kupfer. Aber die niedrigen Einschusszahlungen, die im Ölhandel geleistet werden müssen, haben die Spekulatoren im Markt gehalten – und den Preis oben.

Die Opec läuft nun Gefahr, zu einer Wiederholung der Geschichte beizutragen. Als die Organisation 1997 und 1998 den Markt mit Öl überschwemmt hatte, war der Preis von 27 Dollar auf zehn Dollar je Barrel gesunken. Die Welt hat mehrere Jahre dafür gebraucht, das ganze überschüssige Angebot wieder aufzuwischen.

Damals musste Saudi-Arabien, um den Preisen wieder aufzuhelfen, die Förderung um fast 50 Prozent gegenüber dem derzeitigen Niveau zurückfahren. Der kräftige Einnahmenrückgang hatte Gerüchte ausgelöst, das Land sei politisch instabil. Ein Jahrzehnt später sind die Volkswirtschaften der meisten Opec-Mitglieder immer noch stark vom Öl abhängig. Für sie könnte sich ein zu großes Angebot als äußerst kostspielig erweisen.

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