Öl
Ölpreishausse endet in Verschwendung

Saudi-Arabien will stolze 30 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Bauprojekte ausgeben. Unter den Öl exportierenden Ländern haben die Saudis damit zwar die Nase vorn, doch sie sind bei weitem nicht die einzigen, die einem ausgedehnten Kaufrausch verfallen sind. Dass ein Großteil des Geldes unnütz verpulvert wird, dürfte sich spätestens dann zeigen, wenn der Ölpreis wieder fällt.

Saudi-Arabien hat ein Bauprogramm im Volumen von 624 Milliarden US-Dollar angekündigt, das bis ins Jahr 2020 reichen soll. Gut dreißig Prozent ihres jährlichen Bruttoinlandsproduktes wenden die Saudis derzeit für Baumaßnahmen auf. Das ist viermal so viel, wie Japan 2001 in diesem Sektor investierte - als die Sucht nach öffentlichen Ausgaben dort ihren Höhepunkt erreichte. Die Saudis dürften zwar die größten Spendierhosen tragen, doch auch Venezuela, Nigeria und die Vereinigten Arabischen Emirate können scheinbar gar nicht genug Geld ausgeben. Sie alle werden noch eine alte Lektion lernen: Wenn Geld zu locker sitzt, wird es oft sinnlos verplempert.

Rohstoffexporteuren ging es in den letzten Jahren sehr gut, dank einer Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und überquellender Liquidität. Während das Wachstum die Preise oberhalb der Kosten hielt, erlaubte die Liquidität eine Verfielfachung der Notierungen. Für die Regierungen der Rohstoffländer waren die hohen Preise ein Glücksfall, denn sie konnten große Mengen Geldes scheffeln. Wären die Preise für Agrarprodukte und Metalle im Jahr 2001 bereits auf ihrem heutigen Niveau gewesen, hätte es in Argentinien nie eine Schuldenkrise gegeben.

Doch es kann auch des Guten zuviel geben. Die andauernde Preisblase verhalf in Venezuela und Russland zweifelhaften Regimes zu Stabilität, in Nigeria den Kleptokraten zu neuem Reichtum. Zudem wurde in vielen Ländern ein massiver Bauboom ausgelöst.

Nehmen wir zum Beispiel die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihren gerade einmal 4,4 Millionen Einwohner. Vielleicht finden sie dort sogar Mieter für die 329 Wolkenkratzer, die gerade gebaut werden. Sinnvoller wäre das Geld allerdings ausgegeben für Fonds, die einen Rückgang des Ölpreises abfedern. Oder für ein verbessertes Bildungs- und Gesundheitswesen.

Auch Saudi-Arabien würde besser damit fahren, nur wenig mehr als die in Schwellenländern üblichen fünf bis zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Baumaßnahmen auszugeben. Was darüber hinaus investiert wird, freut nur die ausländischen Baufirmen. Es fällt den Saudis offenbar sehr schwer, ihr überschüssiges Geld sinnvoll anzulegen.

Was wird eigentlich passieren, wenn der Ölpreis wieder auf ein vernünftigeres Niveau fällt? Viele ambitionierte Projekte werden unvollendet bleiben. Und selbst bei etlichen vollendeten Projekten dürfte sich zeigen, dass sie keinerlei wirtschaftlichen Nutzen bringen. Am Ende wird wohl die ernüchternde Erkenntnis stehen, dass in vielen Ländern ein Großteil der Öleinnahmen nur der Förderung des luxeriösen Lebensstils von Königen, Bossen und Bürokraten gedient hat.

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