Ölaktien
Big Oil: Nicht sehr dynamisch

Investoren, die auf einen steigenden Ölpreis wetten wollen, sollten die Aktien von Giganten wie ExxonMobil oder Royal Dutch Shell meiden und stattdessen lieber auf kleiner Firmen setzen. Ölpreisspitzen können die Aktien der Großen zwar für eine Weile nach oben treiben, längerfristig aber drücken sie ihre Entwicklung.
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Investitionen in Ölkonzerne sind ein heikles Geschäft. Nachdem der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte 2008 fast 80 Prozent verlor, ging es in diesem Jahr wieder aufwärts, sodass die Verluste inzwischen zur Hälfte wieder wettgemacht sind. Wer allerdings in Giganten wie ExxonMobil oder Royal Dutch Shell investierte, ist weit entfernt von einer vergleichbaren Erholung - Exxon wird gegenwärtig noch unterhalb seines Kurses vom vergangenen Dezember gehandelt. Ölpreisspitzen können die Aktien der Großen in die Höhe treiben, längerfristig aber drücken sie ihre Entwicklung.

Kampflustigen Unabhängigen wie Anadarko Petroleum oder Apache erging es dagegen besser. Die Aktien beider Unternehmen konnten seit Dezember um 40 Prozent zulegen. Allerdings ist bei den Großen auch das Risiko von Kursverlusten im Falle von Ölpreisrückgängen geringer. Auf dem Gipfel im vergangenen Juli erreichte Öl einen Preis von 147 Dollar pro Barrel und Exxon wurde an der Börse zum Kurs von 83 Dollar pro Aktie gehandelt. Als der Ölpreis im Dezember bei 32 Dollar pro Barrel seinen Tiefpunkt erreichte, lag der Kurs der Exxon-Aktien nur um 15 Prozent tiefer als im Juli. Andarko dagegen verlor im gleichen Zeitraum die Hälfte seines Werts.

Große Konzerne verfügen in der Regel über die Mittel, sich gegen Preisrutsche abzusichern. Und sie können sich oft auf zusätzliche Geschäftsfelder wie Ölraffinerie und Chemie stützen, in denen die Gewinnspannen steigen, wenn die Ölpreise fallen.

Es gibt auch noch andere Faktoren, die dafür sorgen, dass Ölpreis und Kursentwicklung der großen Marktteilnehmer sich voneinander entfernen. Seit dem späten 19. Jahrhundert haben Produktionsabkommen zwischen Ländern und Ölkonzernen sich zunehmend zugunsten der Länder entwickelt. Oft enthalten die Verträge Gleitklauseln, die es den Heimatregierungen erlauben, einen größeren Ertragsanteil für sich zu beanspruchen, wenn die Ölpreise steigen.

Hinzu kommt, dass die Erschließung neuer Ölquellen die großen Konzerne viel Geld kostet. Dies wiederum führt zu Preiserhöhungen entlang sämtlicher Güter und Dienstleistungen, die in Verbindung mit der Ölproduktion stehen, angefangen von den Gehältern der Geologen bis hin zur Bohrausrüstung. Verharren die Ölpreise auf hohem Niveau, werden diese Effekte noch verstärkt.

Investoren haben also Gründe zu vermuten, dass die Gewinne im Zeitablauf sinken werden, wenn die Ölpreise hoch bleiben. Andere könnten aus der Erfahrung mit früheren Konjunkturzyklen der Meinung sein, dass Preisspitzen ohnehin nur kurzfristig auftreten. So oder so entwickeln sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse tendenziell nach unten, wenn die Ölpreise steigen.

Kleinere Unternehmen sind dagegen riskanter, aber ihre Kurse orientieren sich stärker am Ölpreis. Tendenziell sind sie höher verschuldet, sodass ein Rückgang des Ölpreises ihren Schuldendienst gefährdet - und ihren Aktienkurs auf Talfahrt schickt. Aber steigende Rohölpreise führen auch zu einem starken Anstieg ihrer Eigenkapitalrenditen. Anleger, die mit dem Ölpreis abheben wollen, könnten also zur Überzeugung gelangen "small is beautiful".

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