Ölfelder
Der Fluch russischer Politik

Bisher hatte sich BP in den tückischen Gewässern der russischen Politik geschickter bewegt als die Konkurrenten Shell und Exxon. Aber jetzt haben die russischen Behörden feindliche Übergriffe eingeleitet. Vielleicht steckt nicht viel dahinter. Aber da mehr als 20 Prozent der Rohölförderung von BP aus Russland kommen, würden Verluste dort das Unternehmen hart treffen.

BP kann dem Fluch der russischen Politik vielleicht doch nicht entkommen. Zwar hat die Erdölgesellschaft im vergangenen Jahr die Kontrolle über das große Erdgasfeld Kowykta an die staatliche russische Gazprom abgegeben. Aber immerhin hatte der Ölgigant bisher die tückischen Gewässer russischer Politik geschickter gemeistert als die Konkurrenten Shell und Exxon. Dies könnte sich jetzt ändern.

In der vergangenen Woche hatte der russische Geheimdienst in der Zentrale von TNK-BP – einem Joint Venture, an dem BP zu 50 Prozent beteiligt ist – eine Razzia vorgenommen. Dann war einer der Mitarbeiter verhaftet und wegen Industriespionage angeklagt worden. Und jetzt scheint der oberste Umweltpolizist des Landes, Oleg Mitwol, BP richtig einheizen zu wollen – so wie er es zuvor mit Shell getrieben hatte, bevor der Staat eingriff und sich die Kontrolle über die bedeutendsten Felder des Unternehmens in Sachalin sicherte.

Diese Signale lassen nichts Gutes ahnen, aber sie sind – wie so oft in Russland – mehrdeutig. Die Wahl eines neuen Präsidenten führt vielleicht zu internen Spannungen innerhalb der Regierung. BP könnte nur vorübergehend zum Opfer geworden sein. Oder vielleicht ist gar nicht BP in der Schusslinie, sondern die drei Oligarchen, die neben BP an dem Gemeinschaftsunternehmen TNK beteiligt sind.

Selbst wenn das Ziel die Vermögenswerte und nicht die Oligarchen selbst sind, ist nicht ganz klar, was der russische Staat genau im Sinn hat. Vielleicht hat er es gar nicht hauptsächlich auf die Ölfelder abgesehen, sondern will einfach nur einen endgültigen und regierungsfreundlicheren Abschluss für Kowykta erzwingen. Und selbst wenn sie mit dem Gedanken spielt, BP letztendlich doch hinauszudrängen, könnte die Regierung angesichts einer Akquisition, die – zugegebenermaßen von dem Aktionär Wiktor Wekselberg – auf 60 Mrd. Dollar geschätzt wird, ins Zaudern geraten.

Trotzdem ist diese neue Schikane so ziemlich das Letzte, was BP brauchen kann. Ihre Heimatfelder in der Nordsee trocknen aus. Wie alle nicht-staatlichen Erdölgesellschaften wird auch BP nicht in der Lage sein, ihre Reserven wieder aufzufüllen, ohne Freunde in erdölreichen Ländern zu haben. Der Ölriese hat stark auf seine Verbündeten unter den russischen Oligarchen gesetzt. Fast ein Viertel der derzeitigen Rohölförderung von BP kommt aus Russland, auf sie entfielen 2007 acht Prozent der Gewinne. Ein großer Rückschlag in Russland würde den Aussichten des Unternehmens einen schweren Dämpfer versetzen.

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