Ölkartell
Die Opec – ein Club der Verlierer

Russland arbeitet künftig mit der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec)zusammen – angesichts der rückläufigen Förderung will das Land das Beste aus den kurzfristigen Preisen herausholen. Brasilien hat es dagegen abgelehnt, dem Ölkartell beizutreten. Förderbegrenzungen würden die Steigerung der Ölproduktion des Landes hemmen. Solche Entscheidungen erscheinen politisch motiviert, aber sie spiegeln auch wirtschaftliche Beweggründe wieder.

Brasilien hat es abgelehnt, der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) beizutreten. Die Förderobergrenzen des Ölkartells würden die Pläne des Landes beschneiden, seine Produktion zu erhöhen. Russland dagegen strebt eine umfassende Zusammenarbeit mit der Opec an. Angesichts seiner rückläufigen Förderung will das Land das Beste aus den kurzfristigen Preisen herausholen. Die Mitgliedschaft in dem Ölkartell scheint politisch motiviert zu sein, aber in der Wirklichkeit ist es ein Club der Förderverlierer.

Die politischen Argumente passen zu der jeweiligen Situation der Länder. Brasilien hat bei einer weiten Palette an Gütern ausgedehnte Handelsbeziehungen zum reichen Westen, besonders zu den USA. Die Südamerikaner würden daher keinem Verein beitreten, den Amerika als potenziell feindlich erachtet. Russland auf der anderen Seite strebt danach, seine Stellung international zu behaupten und der vermeintlichen US-Hegemonie entgegenzuwirken. Seine Schritte mit denen der Opec abzustimmen, könnte es dem Land erlauben, seine Ölvorkommen wirksamer als geopolitischen Hebel einzusetzen. Die russische Führung könnte zudem der gegen die Marktkräfte gerichteten Beschaffenheit des Opec-Kartells zugetan sein.

Allerdings sind die wirtschaftlichen Beweggründe mindestens genau so wichtig. Brasilien setzt große Hoffnungen auf seine neuen Erdölfelder vor der Küste und erwartet, die Ölförderung ausweiten zu können. Das Land will sich in den vor ihm liegenden Jahren neue Märkte erschließen. Das Letzte, was die Brasilianer brauchen, sind durch die Opec verhängte Förderrestriktionen, die sie möglicherweise zu unzuverlässigen Öllieferanten machen würden.

Russland dagegen hat das Potenzial seiner Erdölreserven nicht erfüllen können. Da zwölf seiner 14 größten Ölfelder aus der Zeit vor dem Fall der Sowjetunion stammen, haben die Russen jetzt die Spitze ihrer Ölproduktion schon hinter sich gelassen, welche 2008 leicht zurückgegangen ist. Daher übernimmt das Land eine intensivere Kontrolle über seine verbleibenden Energievorkommen und versucht, wirtschaftlich und politisch das Beste daraus zu machen, während die Produktion noch hoch ist. Während Russland der Opec zwar vermutlich aufgrund der Ängste Saudi-Arabiens, die Kontrolle zu verlieren, nicht beitreten kann, ist eine Koordination des Landes mit dem Kartell wirtschaftlich dennoch sinnvoll, um seine kurzfristigen Ölpreise zu maximieren.

Wenn man davon ausgeht, dass Ölförderländer auf Expansionskurs, wie etwa Brasilien, die Opec weiter meiden werden, so wird sich die Bedeutung der Organisation in den kommenden Jahren zunehmend abschwächen. Sie wird die ihr jetzt noch verbleibende Fähigkeit, die Preise mittels der Beschneidung des Angebots zu bestimmen, verlieren. Die Abnehmerländer können diesen Prozess fördern, indem sie ihren Erdölverbrauch deckeln und Länder wie Brasilien darin bestärken, sich von der Opec fern zu halten.

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