Ölkonzern Exxon
Kraftprobe in Kasachstan

Exxon hatte sich äußerst widerwillig gezeigt, dem weltweit steigenden Einfluss der staatlichen Erdölgesellschaften nachzugeben. Jetzt ist der Ölmulti dem Beispiel der italienischen Eni gefolgt und hat harte Bedingungen für einen Anteil an dem riesigen kasachischen Fördergebiet Kaschagan akzeptiert. Exxon kann sich einen Rückzug nicht mehr länger leisten. Weitere tief greifende Kompromisse werden folgen.

ExxonMobil hat bei ihrer Kraftprobe mit der Regierung von Kasachstan über das Ölfeld Kaschagan am Schluss doch noch geblinzelt. Exxon ist die letzte der Erdölgesellschaften aus dem Westen, die die weniger vorteilhaften Vertragsbedingungen angenommen hat, denen die italienischen Projektmanagerin Eni unter dem Druck der Regierung zugestimmt hatte. Die US-Firma hat erkannt, dass sie es sich nicht mehr länger leisten kann, sich einfach aus Abschlüssen zurückzuziehen. Auf sie könnten in der Zukunft noch weitere harte Kompromisse zukommen.

Exxon steht nicht in dem Ruf, dass man das Unternehmen einfach herumschubsen kann. Im vergangenen Jahr hatte die Erdölgesellschaft „adios” zu Venezuela gesagt, als Präsident Hugo Chavez die Firma zu einer Neuverhandlung ihrer Verträge zwingen wollte. Vor ein paar Jahren hatte sich Exxon aus Saudi-Arabien verabschiedet, nachdem die dortige Regierung die Erträge für Exxon und ihre Partner aus der Erschließung von Erdgasvorkommen deckeln wollte.

Aber da die Auswahl an Projekten geringer wird, musste der Exxon-Boss Rex Tillerson die texanisch harte Verhandlungstaktik seines Unternehmens überdenken. In Kasachstan sah sich Exxon einer ihrer schwierigsten Herausforderungen überhaupt gegenüber. Im vergangenen Sommer hatte das Land den Vertrag im Wesentlichen zerrissen, der 1997 mit Eni, Exxon und anderen westlichen Erdölgesellschaften zur Erschließung des massiven Erdölfelds Kaschagan mit einem Vorkommen über 13 Mrd. Barrel Rohöl geschlossen worden war.

Bis zum Herbst hatte Eni einen neuen Deal ausgehandelt, bei dem die kasachische Regierung einen größeren Anteil und Geld im Voraus bekommen sollte. Eni konnte es sich nicht leisten, dieses Projekt zu verlieren, denn es ist das bei weitem umfangreichste in ihrem Portfolio. Shell, ein weiterer Partner, hatte sich gerade in Russland die Finger verbrannt und war zudem auf die Reserven angewiesen. Aber Exxon verweigerte sich und gefährdete mit ihrer Anti-Haltung die Zukunft des Projekts.

Letztendlich aber hat Exxon eingesehen, dass es bei der Erschließung eines der wenigen verbliebenen bedeutenden Erdölfelder lieber doch nicht außen vor bleiben sollte. Das Projekt liegt bereits zwei Jahre hinter dem Zeitplan zurück und kostet Exxon Millionen an potenziellen Einnahmen. Exxon mag befürchtet haben, dass ein Nachgeben gegenüber Kasachstan andere Länder dazu ermutigt, ihren Einsatz zu erhöhen. Aber in Wirklichkeit, in einer Welt, in der Rohöl mit 100 Dollar je Barrel gehandelt wird und in der den privaten Erdölgesellschaften nur sechs Prozent der Reserven zur Nutzung bleiben, halten sowieso die staatlichen Gesellschaften bereits die meisten Trümpfe in der Hand.

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