Ölkonzerne
ExxonMobil: Tiefer bohren

Exxon ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die führende westliche Erdölgesellschaft verbuchte einen Gewinnrückgang um 66 Prozent, der nicht vollständig auf den Preisverfall bei Rohöl zurückzuführen ist. Vielmehr erklären die rückläufige Förderung und anhaltende Kapitalaufwendungen die Einbußen. Sie verweisen auch auf die Schwierigkeiten, vor denen Exxon steht: Es wird schwieriger, Öl zu finden, und teurer, es zu fördern.
  • 0

Die Rohölpreise sind kräftig gefallen. Deshalb war es keine allzu große Überraschung, dass die Ergebnisse von ExxonMobil im zweiten Quartal hinter den Vorjahresresultaten zurückblieben. Aber das Ausmaß des Gewinnrückgangs bei der größten westlichen Erdölgesellschaft deutet auf eine längerfristige Problemstellung hin, mit der sich der texanische Gigant und alle seine Konkurrenten aus dem Privatsektor befassen müssen. Es wird viel schwieriger, Rohöl zu finden und es wird teurer, es zu fördern. Das wird sich nicht ändern.

Im Vorjahresvergleich verringerte sich der Gewinn im Berichtsquartal um 66 Prozent. Das kann natürlich nicht völlig verwundern, schließlich hat sich der durchschnittliche Preis für ein Barrel Rohöl gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum halbiert. Die Einnahmen von Exxon gaben im zweiten Quartal um 46 Prozent auf 75 Mrd. Dollar nach. Das Problem ist, dass das Unternehmen, dem in der Branche so viel für seine strenge Kostenkontrolle zu Gute gehalten wird, es nicht geschafft hat, entsprechende Kürzungen auf der Aufwendungsseite vorzunehmen, die sich nur um 42 Prozent ermäßigt haben.

Das lässt sich teilweise mit den Investitionen von Exxon erklären. Der Kapitalaufwand ist zwar im Berichtsquartal gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gesunken, aber die Firma hat im bisherigen Jahresverlauf ungefähr den gleichen Betrag ausgegeben wie in der ersten Hälfte des Vorjahres, um neue Kohlenwasserstoffquellen aufzuspüren. Und genau darin liegt die langfristige strategische Herausforderung für Exxon.

Regierungen behalten ihre fossilen Brennstoffvorkommen immer stärker ihren Heimmannschaften vor. Gleichzeitig sind Mitspieler wie die PetroChina - deren Marktkapitalisierung von 385 Mrd. Dollar die von Exxon über 348 Mrd. Dollar noch übertrifft - bei Geboten für Vermögenswerte rund um den Globus konkurrenzfähiger geworden. In historisch gewachsenen Ölförderregionen sinken damit die potenziellen Gewinnmargen, während die führenden Erdölgesellschaften so dazu gezwungen werden, in schwierigeren Winkeln des Planeten zu arbeiten.

So ist die Produktion von Exxon um 3,3 Prozent auf 3,68 Mill. Barrel Rohöleinheiten pro Tag gefallen. Die einzigen Regionen, in denen über bedeutende Fördererhöhungen berichtet wurde, sind die USA, Afrika und Russland. In den USA bedeutete dies, dass sich Exxon auf kostspieligere Verfahren wie Tiefenwasserbohrungen im Golf von Mexiko verlegen musste - von der aggressiven Lobby-Arbeit für die Ausweitung von Bohrungen vor der heimischen Küste ganz zu schweigen. Das Unternehmen schätzt, dass sich auf seinem Heimatmarkt 116 Mrd. Barrel Rohöl fördern lassen. Eine zunehmende Abhängigkeit von Afrika und Russland setzt die Exxon-Aktionäre größeren politischen Risiken aus.

Natürlich sind diese Herausforderungen seit langem bekannt. Sie werden nur drängender und offensichtlicher, wenn die Ergebnisse der großen Erdölfirmen nicht mehr durch die unverhofften Gewinne verschönert werden, die sich bei einem in den Himmel schießenden Ölkurs einstellen.

Kommentare zu " Ölkonzerne: ExxonMobil: Tiefer bohren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%