Ölkonzerne: Galoppierende Kosten

Ölkonzerne
Galoppierende Kosten

Der Preis für Rohöl hat das Rekordniveau von 100 Dollar je Barrel erreicht - und Shell baut Tausende von Arbeitsplätzen ab. Der hohe Ölpreis wirkt sich nicht positiv auf die Gewinne der großen Erdölgesellschaften aus, er drückt vielmehr die Gewinnspannen und treibt die Kosten. Von den Rekordpreisen profitieren vor allem die Regierungen, mit denen die Ölmultis Geschäfte machen.

Der Preis für Rohöl hat das Rekordniveau von 100 Dollar je Barrel erreicht. Da muten die Pläne von Shell, Tausende von Mitarbeitern zu entlassen, seltsam an. Aber von den Rekordpreisen profitieren vor allem die Regierungen, mit denen die Ölmultis Geschäfte machen, und die Dienstleister auf den Erdölfeldern, während die großen Ölunternehmen unter den gestiegenen Kosten und dem Druck auf die Gewinnmargen bei raffinierten Produkten leiden. Der hohe Ölpreis beeinträchtigt die Gewinne der Erdölgiganten und zwingt sie dazu, wo immer es geht, die Kosten zu senken. Es ist gut möglich, dass die Kürzungen von Shell zu moderat ausgefallen sind, um die Kosten ausreichend unter Kontrolle zu halten, wenn der Ölpreis hoch bleibt. Das Unternehmen und seine Konkurrenten müssen vielleicht noch einmal die Messer wetzen.

Der Arbeitsplatzabbau bei dem britisch-niederländischen Riesen ist Teil eines Programms, mit dem jährlich 500 Mill. Dollar eingespart werden sollen. Die Stellen, vorwiegend in den Bereichen Verwaltung und Abwicklung und in der Informationstechnologie, werden von kostenintensiven Standorten abgezogen und ausgelagert. Es ist immer noch nicht ganz klar, wie viel Shell damit wirklich einspart. Aber die aufgeblähte Belegschaft von 109 000 Mitarbeitern zu reduzieren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. ExxonMobil hat zum Beispiel ein Drittel weniger Mitarbeiter, aber die Marktkapitalisierung des Rivalen ist fast doppelt so hoch.

Und trotzdem könnten die Einsparungen keine allzu großen Auswirkungen auf die in den Himmel schießenden Kosten haben, denen sich das Unternehmen gegenübersieht. Der Wettlauf um Mitarbeiter und Ressourcen – zum Beispiel was die Fachkenntnisse für die Arbeit auf den Bohrinseln und im Dienstleistungsbereich angeht – ist sehr intensiv geworden. Die Explorationskosten von Shell sind in den vergangenen beiden Jahren um 121 Prozent gestiegen, im Gegensatz zu den Ausgaben in der Verwaltung, die sich gerade einmal um zwei Prozent erhöht haben.

Hohe und weiter steigende Ölpreise beeinträchtigen die Gewinnmargen der großen Erdölgesellschaften in der Raffinerie, weil sie die Erhöhungen nicht vollständig an den Endverbraucher weiterreichen können. Dagegen streichen die Regierungen einen Großteil der Ölpreissteigerung aus der Förderung ein, während Shell und seine Branchenkollegen manchmal nur einen festgelegten Gewinnanteil pro Barrel erhalten. Die britische Regierung hat die Gebühren, die Shell für die Förderung in der Nordsee zahlt, im vergangenen Jahr erhöht. Und in Nigeria, wo Shell der größte Produzent ist, gehen 97 Prozent der Fördergewinne an die Regierung.

So widersprüchlich das auch erscheinen mag: Die Erdölriesen wären erleichtert, wenn der künstlich aufgeblähte Ölpreis wieder sinken würde. Wenn er hoch bleibt, werden die Gewinne der Erdölgesellschaften weiter unter Druck und Kostensenkungen an der Tagesordnung bleiben. Die derzeitigen Pläne von Shell, die hauptsächlich auf die Rationalisierung der Unternehmensstruktur abzielen, könnten zu kurz greifen.

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