Ölkonzerne
Gazprom lässt die Muskeln spielen

Die russischen Eigentümer des Ölproduzenten TNK-BP könnten sich bald geschlagen geben. Wie die russische Tageszeitung Vedomosti berichtete, könnte der russische Energiekoloss Gazprom sie bis zum Jahresende auszahlen. Mit dem richtigen Druck aus dem Kreml und einer Polizeirazzia bei dem Ölunternehmen lässt sich‘s eben richten.

Nichts hilft gegen schleppende Verhandlungen besser als Polizeirazzien, Spionagevorwürfe und Steuerhinterziehungsverfahren. Die russischen Eigentümer von TNK-BP können davon ein Lied singen. Nach Angaben der russischen Tageszeitung Vedomosti haben sie inzwischen eingewilligt, 50 Prozent ihrer Aktien am drittgrößten russischen Konzern für etwa 20 Milliarden Dollar an Gazprom zu verkaufen. Die am Joint Venture mitbeteiligte BP scheint dagegen fürs erste verschont zu bleiben. Das heißt, wenn Russland nicht darauf besteht, das zusätzliche Prozent zu übernehmen, das notwendig wäre, um stärkeren Einfluss auf die Unternehmensführung zu nehmen.

Die russischen Milliardäre, die TNK lenken, waren vielleicht etwas schwerhörig. Sie haben nicht realisiert, dass sie im Zuge der Re-Nationalisierung der russischen Energieressourcen, die Wladimir Putin vor 10 Jahren einleitete, zum fünften Rad am Wagen wurden. Vielleicht haben sie sich gedacht, dass es mit Gesten des Guten Willens gegenüber dem Kreml getan ist – so wie im vergangenen Jahr mit der Einwilligung in den Verkauf des 62-Prozent- Anteils von TNK-BP am Kovykta-Gasvorkommen an Gazprom.

Da haben sie schlicht falsch gedacht. Die Verhandlungen über Kovyotka – vermutlich über den Preis – ziehen sich immer noch hin. Gazprom, dessen Führungsriege eine Menge über die Intentionen der russischen Regierung zu wissen scheint – wen überrascht’s? – lässt anklingen, dass der Staat die Lizenzen für die Exploration der Gasvorkommen aus den gleichen „Umweltgründen“ zurückziehen könnte, die schon Shell aus dem Sakhalin-Projekt gekickt haben. Und Gazprom weigert sich schon lange, die Pipelines zu bauen, die gebraucht werden, um das Kovyotka-Gas zu transportieren, wodurch TNK-BP eindeutig in der Zwickmühle ist.

Gazprom könnte seine Absichten inzwischen auf das ganze Mutterunternehmen gelenkt haben, statt sich wie bisher nur für das eine Vorkommen zu interessieren. Von BP hat Gazprom wenig Gegenwehr zu erwarten. Schließlich hat BP auch ein Joint Venture mit TNK gebildet, obwohl TNK BP in den späten 1990ern um einige Vermögenswerte gebracht hat. Und für BP bedeutet der Deal sowieso nicht viel mehr als einen Wechsel bei den russischen Partnern. Jetzt, wo der langjährige Gazprom-Chef Dmitri Medvedev zwei Wochen vor seinem Amtsantritt als russischer Präsident steht, ist es ohnehin nicht die richtige Zeit auf der falschen Seite des Gasgiganten zu stehen.

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