Ölpreis
Außer Kontrolle

Der Rohölpreis hat die 90-Dollar-Marke je Barrel überschritten und liegt damit ungefähr doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Man könnte meinen, das schwarze Gold sei knapp. Dabei sind die Vorräte robust und die Nachfrage, zumindest der westlichen Märkte, ist gering. Was die Gründe für den hohen Ölpreis sind – ein Analyse von Breakingviews.com-Redakteurin Cyrus Sanati .

Der Preis für Rohöl hat erstmals die Marke von 90 Dollar je Barrel überschritten. Im Januar hatte er noch bei nur knapp über 50 Dollar gelegen. Die Preisspirale ist viel mehr auf Spekulation und geopolitische Unsicherheiten zurückzuführen als auf die Fundamentaldaten bei Angebot und Nachfrage. Wenn diese Faktoren wieder ins Spiel kommen, könnten die Preise stark fallen.

Die weltweiten Lagerbestände an Rohöl verzeichnen mit 4,1 Mrd. Barrel ein historisches Hoch - und das trotz einer Kürzung der Förderung durch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) um rund 600 Mill. Barrel in diesem Jahr. Das Angebot scheint die Nachfrage bei weitem zu übersteigen.

Tatsächlich hat sich der Ölverbrauch in den USA in den vergangenen Jahren verringert. Im Jahr 2006 ist er nach Angaben von BP dort sogar um 1,3 Prozent niedriger gewesen als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum ist der weltweite Ölverbrauch nur um 0,6 Prozent geklettert, während sich das reale Bruttoinlandsprodukt global um vier Prozent erhöht hat. Das lässt vermuten, dass die höheren Preise das Nachfragewachstum gebremst haben. Und die International Energieagentur geht für dieses Jahr von einem stagnierenden Verbrauch aus.

Angesichts des verfügbaren Angebots sollten die geopolitischen Risiken keinen allzu großen Preisaufschlag rechtfertigen. Selbst wenn beispielsweise Iran die Ausfuhren stoppen würde, würden die globalen Vorräte an Rohöl ausreichen, um die Ausfälle über einen Zeitraum von 2,7 Jahren zu überbrücken, haben Berechnungen von Oppenheimer ergeben. Das ist länger als Iran seinen Exportstopp angesichts der Abhängigkeit der Volkwirtschaft vom Öl möglicherweise durchhalten könnte. Andere Konflikte, wie etwa der mit Irak, würden eine viel schwächere Auswirkung auf das Angebot haben.

Rohöl sieht auch im Vergleich mit Erdgas teuer aus. Gewöhnlich wird Rohöl mit dem Sechs- bis Zehnfachen des Erdgaspreises handelt, momentan ist es allerdings das Zwölffache. Gas könnte noch ein bisschen zulegen - bei 7,50 Dollar pro MMBtu (mmBTU steht für Million Britsh Termal Unit und entspricht 26,4 Standard Kubikmeter Gas) entspricht der Gaspreis weitgehend dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Aber die Differenz lässt den Rohölpreis dennoch ein wenig überzogen aussehen.

Es hat den Anschein, als hätte die Hausse bei den Rohstoffen die Ölpreise mit nach oben gezogen. Aber die Stimmung könnte sich drehen, besonders wenn die Kreditmärkte wieder in die Knie gehen oder sich die Konjunktur verschlechtert. Falls dies eintritt und die Fundamentaldaten wieder den Preis bestimmen, dann wird Öl zu 90 Dollar der Vergangenheit angehören.

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