Ölpreis
Der Preis ist hoch

Ein Ölpreis von 100 Dollar ist keine schöne runde Zahl. Hohe Rohölpreise bedeuten gewaltige Gewinne für Ölexporteure. Die Haupteffekte aber sind weltweit rückläufiges Wirtschaftswachstum, schlechtere Regierungen und steigende Spekulationen an den Finanzmärkten. Es gibt nur einen Silberstreif am Horizont – höhere Preise verringern den Ölkonsum.

100-Dollar-Öl: Es fehlt nicht mehr viel und der Ölpreis wird dreistellig. Puristen sind vielleicht der Meinung, diese Schwelle sei gar nicht so entscheidend. Der Euro-Preis für Öl der Sorte Brent, 66 Euro pro Barrel, sei viel wichtiger für die Welt als der augenblickliche 99-Dollar-Preis für West Texas Intermediate. Aber 100 Dollar ist eine schöne runde Zahl, um einen weniger schönen Zustand zu beschreiben. Der hohe Preis sorgt für einen hohen Wohlstandstransfer von den Import- zu den Exportländern, mit drei negativen Effekten.

Erstens, das wirtschaftliche Wachstum verringert sich weltweit. Natürlich erhöhen die Zufallsgewinne den Konsum in den exportierenden Staaten. Traurig nur, dass das Geld von den effizienteren zu den weniger effizienten Volkswirtschaften fließt. Zwar mögen die Ölexporteure von heute die besseren Anleger sein, wenn man sie mit ihren Vorgängern aus dem Ölpreisboom im Jahr 1970 vergleicht, das ändert aber nichts daran, dass immer noch viel Verschwendung und Extravaganz im Spiel sind.

Zweitens, leicht verdientes Geld ermutigt zu schlechtem Benehmen. Mit den Zufallsgewinnen wird die islamistische Propaganda aus Saudi-Arabien finanziert, Russland und Venezuela ermöglicht, sich politisch in Szene zu setzen, und die Korruption in Nigeria begünstigt.

Drittens, das teure Öl bringt die globalen Finanzmärkte aus dem Gleichgewicht. Die Exporteure sammeln Kapital viel schneller ein, als sie Zuhause investieren oder selbst in Luxusgüter anlegen können. Der Überschuss – der nach Angaben der Deutschen Bank seit 2002 von 70 Milliarden Dollar auf über 300 Milliarden Dollar angewachsen ist – wird auf die internationalen Finanzmärkte geworfen, der Ertrag ist dabei oft zweitrangig. Die zusätzlichen Gelder haben zur Liquiditätsschwemme beigetragen, die die Investitionslandschaft verzerrt und reine Spekulationen begünstigt haben.

Die Wolken am Horizont werden nur von einem Silberstreif begleitet. Die hohen Preise regen zu geringerem Energieverbrauch an. Aber dieser Vorteil wird gegenwärtig teuer bezahlt. Es wäre wesentlich besser, den Ölpreis auf das Niveau der zusätzlichen Produktionskosten sinken zu lassen – also auf um die 30 Dollar pro Barrel – und den hohen Preis für Endverbraucher durch zusätzliche Steuern aufrechtzuerhalten. Die Regierung könnte mit den zusätzlichen Einnahmen andere Steuern senken. Das Ölgeschäft könnte jedenfalls so sehr viel angenehmer werden.

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