Ölpreis
Öl für 100 Dollar ist nicht billig

Die Ölpreise sinken in Richtung 100 Dollar pro Barrel. Allerdings ist die Nachfrage weiterhin groß, sodass die Preise nicht viel weiter fallen dürften. Aber selbst bei einem Preis von 100 Dollar ist das schwarze Gold immer noch deutlich teurer als 2007 und liegt oberhalb seines langfristig realistischen Gleichgewichtspreises. Für die globale Wirtschaft ist dieser Zustand ungesund.

In der ersten Hälfte des Jahres 2008 sank die Ölproduktion außerhalb der Organisation erdölexportierender Länder um 330.000 Barrel pro Tag, während die Nachfrage, beflügelt durch das weltweite Wirtschaftswachstum und die niedrigen Zinssätze, um über eine Million Barrel pro Tag zunahm. Spekulationen an den internationalen Ölmärkten taten ein Übriges, sodass der Ölpreis Anfang Juli mit 140 Dollar pro Barrel einen Spitzenwert erreichte.

Seitdem hat sich die Angebotsseite entspannt, die Opec-Produktion hat um 350 000 Barrel pro Tag zugenommen, von den Nicht-Opec-Staaten kommen 550 000 Barrel pro Tag hinzu. Da sich auch die globalen Wachstumsaussichten verschlechtert haben, sind die Ölpreise gefallen. Aber auch wenn sie sich inzwischen wieder der 100-Dollar-Marke nähern, liegen die Preise immer noch um 50 Prozent über dem 2007er-Durchschnitt.

Die Folge, die Nachfrage bleibt unter Druck. In den USA führte der Benzinpreisanstieg zwischen Sommer 2007 und Sommer 2008 um 35 Prozent zu einem Rückgang der Nachfrage um 4,35 Prozent. Daraus lässt sich eine Preiselastizität der Nachfrage ableiten, die sich der Marke von 15 Prozent annähert.

Die Preiselastizität in ärmeren Ländern dürfte im Vergleich dazu höher liegen. Auf der anderen Seite wird die Preissensibilität der Ölnachfrage in vielen Ländern durch Preisbindungen oder in Europa und Japan durch hohe Steuerzuschläge begrenzt. Nimmt man alle Faktoren zusammen, dürften die Ölpreise langfristig nicht sehr weit oberhalb der Marke von 100 Dollar verharren. Sie dürften allerdings auch nicht sehr weit unter diese Grenze fallen, wenn man das anhaltende Wirtschaftswachstum, vor allem in China, und die nur moderaten Angebotszuwächse ins Kalkül zieht, die für das nächste Jahr erwartet werden.

Für die Weltwirtschaft sind das schlechte Nachrichten. Der langfristige Gleichgewichtspreis für Öl dürfte in der Nähe von rund 60 Dollar pro Barrel liegen. Bei diesem Preis sind auch Tiefseeförderung und Extraktion aus Teersänden noch hochprofitabel. Preise weit oberhalb dieser Marke erhöhen den Kostendruck in den nicht ölproduzierenden Ländern, während sie zu Zufallsgewinnen für die Ölproduzenten führen.

Die sogenannten Windfall-Profits können zu wachsendem Wohlstand unter den Einwohnern ölproduzierender Länder beitragen. Länder wie der Iran, Russland oder Venezuela nutzen die zusätzlichen Einnahmen aber auch zur Finanzierung einer potenziell destabilisierenden Außenpolitik. Insgesamt führen Ölpreise weit über dem langfristigen Gleichgewichtspreis zu einer wirtschaftlich weniger gesunden und politisch instabileren Welt.

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