Ölspekulanten
Rohe Annäherungsversuche

In den USA soll zur Eindämmung der Spekulation per Gesetz festgelegt werden, wer Rohöl-Futures handeln darf. Aber selbst die Branchenaufsicht für die Terminmärkte ist zu dem Schluss gekommen, dass nicht die Spekulanten die Preise treiben. Zugegeben, die Regulierer müssten schärfere Waffen haben. Aber da Rohöl nun weit unterhalb der jüngsten Spitzenstände gehandelt wird, könnte das neue Gesetz mehr Schaden als Nutzen mit sich bringen.

Die Rohölkurse mögen zwar sinken, aber der politische Druck in den USA, etwas gegen die Energiekosten unternehmen zu müssen, wird deswegen nicht geringer. Der amerikanische Senat arbeitet an einer Gesetzesvorlage, mit der die "überzogene Spekulation" unterdrückt werden soll, die viele Gesetzgeber und Lobby-Gruppen für schwer in Mitleidenschaft gezogene Branchen für die hohen Rohölpreise verantwortlich machen. Das Dumme ist nur, dass die Aufsicht für die Terminbörsen in Zusammenarbeit mit anderen US-Spitzenaufsehern gerade zu dem Schluss gekommen ist, dass nicht die Spekulanten die Schuld trifft.

Zugegeben, diese Position hatte die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ohnehin eingenommen. Aber in einem neuen Bericht, der auf Handeldaten basiert, die bis ins Jahr 2004 zurückreichen, präsentiert sie eine ziemlich überzeugende Argumentation. Zunächst einmal hat das Gremium herausgefunden, dass die Schritte der Spekulanten nicht den Kursänderungen vorangegangen sind, sondern dass sie generell auf Kursverschiebungen reagiert haben.

Zudem hätte ein Versuch, die Kurse nach oben zu treiben, typischerweise zu einem Anstieg der Öllagerbestände führen müssen. Diese sind aber gefallen. Und die CFTC hat eine vergleichbare Anzahl an Kauf- und Verkaufspositionen vorgefunden anstatt einen überwältigenden Überhang an Wetten, die auf einen Preisanstieg setzen.

Auch andere Untersuchungsergebnisse tragen dazu bei, die Spekulanten zu entlasten. So sind die Preise vieler Rohstoffe, die nicht an den Terminbörsen gehandelt werden, ebenso in den Himmel geschossen. Dieser Umstand und der Bericht der CFTC stützen den Standpunkt, dass der Kongress seinen Versuch aufgeben sollte, übereifrige Händler auszuschalten. Schließlich ist die CFTC bereits befugt, in echten Fällen von Marktmanipulation zu intervenieren.

Natürlich kommt es gut bei den Wählern an, wenn man einen Sündenbock für die hohen Benzinpreise ausmachen kann. Das Problem dabei ist, dass dieses Gesetz die Lage verschlimmern könnte. Es legt fest, dass es nur Gegenparteien - also etwa Banken - von Unternehmen, die sich gegen die Risiken eines tatsächlichen physisch ausgelieferten Rohstoffs absichern wollen, - also etwa Fluggesellschaften, - gestattet werden soll, uneingeschränkt zu handeln.

Da verschwimmen die Konturen sehr schnell. Wie steht es mit den Gegenparteien der Bank, die wiederum ihr Risiko aus dem Handel mit der Fluggesellschaft ausgleichen muss? Wenn man Marktteilnehmer ausschließt, nur weil sie keine physische Auslieferung von Rohöl anstreben, wird dies den Markt der Effizienz berauben. Damit wird es für die Fluggesellschaften und andere Unternehmen schwieriger, ihre Risiken abzusichern.

Die Gesetzesvorlage würde zumindest der CFTC mehr Ressourcen zugestehen - einer Branchenaufsicht, die die Herren über das Budget knapp gehalten und damit zu ihrem Ruf als zahnloser Tiger beigetragen haben. Auch sie dazu zu drängen, bessere Informationen über den Markt zu sammeln, ist sinnvoll. Und wenn die Regulierer ihren Bericht früher veröffentlicht hätten, hätte diese gefährliche politische Gratwanderung vielleicht tatsächlich vermieden werden können.

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