Offenlegungspflichten
Hedge-Fonds: Ein Quantum Wissen

Die politisch Verantwortlichen in den USA haben milliardenschwere Hedge Fonds-Manager, darunter auch John Paulson, zu Themen wie die Verbesserung der Transparenz befragt. Den Aufsichtsbehörden sollten mehr korrekte Daten vorgelegt werden, die sie dann verfolgen sollten. Aber eine für alle zugängliche Offenlegung kann leicht falsch interpretiert werden.

Ein "Who?s Who" milliardenschwerer Hedge-Fonds-Manager saß am Donnerstag auf dem Capitol Hill den US-Gesetzgebern gegenüber. Die Kongressabgeordneten löcherten bei den Anhörungen John Paulson, George Soros und andere Branchenvertreter über die Systemrisiken, die ihr Gewerbe mit sich bringt. Auch Themen wie die Verbesserung der Transparenz kamen zur Sprache. Dabei sollten die Kongressmitglieder jedoch vorsichtig sein, die Offenlegung nicht zum Selbstzweck zu machen.

Schauen wir uns einmal die bestehenden aufsichtsbehördlichen Anforderungen der USA für Investmentfirmen an, deren gemäß sie ihr Bestände an amerikanischen Aktien auf Quartalsbasis, mit einer Verzögerung von etwa sechs Wochen, offen legen müssen. Für einige Investoren, darunter auch für die ganz gewöhnlichen Amateure der Main Street, ist es verlockend, in diese so genannten 13-F-Einreichungen zu viel hineinzuinterpretieren.

Extrapoliert man diese Offenlegungen, dann könnte man zum Beispiel zu der Annahme gelangen, dass, da sich Hedge Fonds immer noch harten Marktbedingungen und den Rückkaufswünschen ihrer Anleger ausgesetzt sehen, die Fonds vielleicht gezwungen sein könnten, die Aktien, die sie per Ende September gehalten hatten, überstürzt verkaufen müssen. Gemäß dieser Logik könnte ein Investor zu dem Entschluss kommen, diese Aktien abzuwerfen oder sie leer zu verkaufen - um damit möglicherweise einen bereits bestehenden Abwärtsdruck des Markts weiter zu verstärken.

Oder ein Hedge Fonds-Analyst nimmt vielleicht die Veränderungen unter die Lupe, die sich zwischen dem im Juni von einem Fonds eingereichten 13-F-Formular und dem in dieser Woche fälligen September-Ausweis ergeben. Er könnte dann die kumulierten Werte beider Portfolios zusammenrechnen und annehmen, dass die Differenz Verkäufe widerspiegelt, die dem Fonds durch die Rückkäufe der Investoren aufgezwungen wurden.

Beide Schlussfolgerungen könnten teilweise zutreffend sein. Aber sie sind gefährlich unvollständig. Zum einen sind 13-F-Einreichungen für alle Investmentfirmen, auch Investmentfonds, veraltet. In den derzeit von großen Schwankungsbreiten gekennzeichneten Märkten hat ein Hedge Fonds innerhalb von sechs Wochen sein Portfolio möglicherweise bereits mehrmals umgewälzt. Zum anderen steht es Hedge Fonds und einigen anderen Investmentfirmen frei, Aktien zu verkaufen und Barmittel oder andere Kategorien von Vermögenswerten zu halten, die keinen Eingang in die 13-F-Formulare finden. Diese eine Einreichung gibt also nur einen Teilaspekt des Gesamtbilds wieder.

Sicher ist es wichtig für die Investoren, zum Beispiel über Beteiligungen an Unternehmen im Bilde zu sein, die vielleicht auf Übernahme-Offerten schließen lassen. Aber wie das Beispiel mit den 13-F-Eingaben zeigt, hat die allen zugängliche Offenlegung ihre Grenzen. Die in Washington versammelten Hedge Fonds-Vertreter schienen durchaus bereit dazu zu sein, mehr über ihre Geschäfte zu verraten. Aber sie waren sich nicht einig darüber, ob jeder, und nicht nur die Aufsichtsbehörden, mehr Informationen bekommen sollte.

Das Ziel sollte darin bestehen, dass sowohl die Branchenwächter als auch die Öffentlichkeit das bekommen, was sie brauchen, und dass sie, besonders die Aufsichtsbehörden, diese Informationen wirksam einsetzen. Und es sollte dabei immer bedacht werden, dass eine weiter reichende Offenlegung - ob nun Hedge Fonds oder andere Investmentfirmen betroffen sind - nicht immer auch größere Klarheit schafft.

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