Olympische Spiele
Willkommen in der Realität

Für Rio de Janeiro beginnt die harte Arbeit. Nach Abklingen des Caipirinha-Katers muss sich die Austragungsstätte der olympischen Spiele 2016 der Aufgabe stellen, ein Spektakel mit nachhaltigem Erfolg zu organisieren.
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Nach fünf erfolglosen Bewerbungen dürfen die Brasilianer aufatmen. Endlich, nach einem von astronomischem Wachstum gezeichneten Jahrzehnt, erfährt man auch internationale Anerkennung. Trotzdem lag Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit seiner Behauptung falsch, er könne nun zufrieden sterben.

Die Investoren schlossen sich dem Jubel an. Während die Märkte anderswo am Freitag nach Bekanntgabe der US-Arbeitslosenzahlen einbrachen, stieg der brasilianische Bovespa, mit Fluglinien, Stahlfirmen und Infrastruktur-Konzerne an vorderster Front. Die brasilienweit vertretene Hotelkette Hotéis Othon gewann 78 Prozent!

Man hat Grund zu feiern. Die Stadt muss bis 2016 ihre Hotelzimmer verdoppeln. Eine von einer Wirtschaftshochschule in Sao Paulo im Auftrag des Sportministeriums durchgeführte Studie prognostizierte bis 2016 jährlich 120.000 zusätzliche Jobs. Die meisten dieser Stellen werden befristet sein, dennoch rechnet man bis 2027 mit Zuwächsen von beeindruckenden 50 Mrd. Dollar.

Es sind keine Beschwerden darüber bekannt, dass die Arbeitskraft, die man zum Bau der ägyptischen Pyramiden verwendete, anderswo besser genutzt gewesen wäre - doch es gibt immer Kritiker, die die Geldverschwendung für Olympia beklagen. Brasilien wird dabei keine Ausnahme machen.

Natürlich ist auch Vorsicht geboten. Rio leidet unter einer weit auseinander klaffenden sozialen Schere und der brutalen Kriminalität. Der Staat hat die Kontrolle großer Stadtgebiete weitgehend an Drogengangs und Privatmilizen abgegeben. Spektakuläre olympische Bauten können da nur versuchen, den Blick der Besucher von den endlosen Favelas abzulenken.

Die Pan American Games haben die Stadt 2007 kaum weitergebracht. Nun bekommt Rio eine zweite, größere Chance, die Aufmerksamkeit der Welt und das Geld der Touristen besseren auszunützen. Fürs Feiern sind die Brasilianer bekannt. Jetzt sollte sich Lula der Bekämpfung zweier anderer lokaler Traditionen widmen: Korruption und leeren Versprechungen.

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