Opec
Der Beitritt zur wirklichen Welt

Indonesiens Rückzug aus der Opec ist sinnvoll. Das Land verliert per Saldo aufgrund der gestiegenen Rohölpreise in großem Stil und die Regierung kürzt die Benzinsubventionen für die Verbraucher. Der Schritt zeigt zudem, dass sich Indonesien stärker am Markt orientiert und sich in den globalen Privatsektor integriert.

Von der Logik her ist es sinnvoll, dass sich Indonesien aus der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zurückzieht. Das Land ist mittlerweile zu einem Netto-Rohölimporteur ersten Ranges geworden und verliert per Saldo aufgrund der gestiegenen Ölpreise in großem Stil, während die Regierung die Subventionen für den privaten Benzinverbrauch kürzt. Der Entschluss spiegelt zudem die verstärkte Orientierung des Landes am Markt und seine Bemühungen um die Integration in den weltweiten Privatsektor wider.

Politisch gesehen ist es leicht nachvollziehbar, warum Indonesien dem Ölkartell den Rücken kehrt. Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono musste Anfang des Monats den inländischen Ölpreis um 30 Prozent anheben, nachdem die steigenden globalen Preise die Kosten für die Energiesubventionen auf 22 Prozent der Regierungsausgaben hochzutreiben drohten.

Yudhoyono war bereits 2005 wegen einer Erhöhung der inländischen Rohölpreise um 125 Prozent gehörig unter Druck geraten. Daher erschien die fortgesetzte Mitgliedschaft in einem Kartell, das sich dem Ziel verschrieben hat, die globalen Preise immer noch weiter in die Höhe zu treiben, nicht gerade reizvoll. Der indonesische Ölverbrauch hatte zum ersten Mal um das Jahr 2002 herum die Produktion überstiegen. Jetzt führt das Land ein Viertel seines Nettobedarfs ein, auch wenn es immer noch in großem Umfang Erdgas exportiert.

Während des Übergangs zur Demokratie und zur Ölverknappung in den vergangenen zehn Jahren hat Indonesien viele der unattraktiven Charakteristika des wirtschaftlichen Managements der meisten Opec-Mitgliedsstaaten abgelegt. Die staatliche Erdölgesellschaft Pertamina kooperiert jetzt mit führenden internationalen Ölfirmen in Gemeinschaftsunternehmen. Die Abhängigkeit des Landes von Rohöl dürfte sich um mehr als die Hälfte verringern, wenn das Vorhaben zur Erschließung des Ölfelds Cepu von Exxon und Pertamina 2010 vollständig den Betrieb aufnimmt.

Yudhoyono, der 2004 in einer demokratischen Wahl ins Amt kam, setzt auf den Privatsektor und weist nur mäßige Etat-Defizite auf, obwohl die Kosten für die staatlichen Beihilfen für Öl und Nahrungsmittel stark gestiegen sind. Er hat die internationalen Verbindlichkeiten Indonesiens beträchtlich reduziert und für ein Wachstum von etwa fünf Prozent pro Kopf bei niedriger Teuerung gesorgt. Das staatliche Stahlunternehmen Krakatau dürfte 2008 privatisiert werden. Nur die Korruption ist, wie auch schon vor zehn Jahren, weiterhin ein enormes Problem.

Wie Groucho Marx ist auch Indonesien mit Recht wählerisch geworden, was die Vereine angeht, denen es beitritt. Das Land wird stärker davon profitieren, wenn es sich Thailand, Malaysia und Singapur im Asean-Pakt und seinen schnell expandierenden Nachbarn Indien und China anschließt. Auf jeden Fall wird Indonesien davon viel mehr haben, als an der Seite seiner ehemaligen Partnerländer in der Opec - Nigeria, Venezuela und Angola - zu bleiben.

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