Opel zwischen Russland und den USA
Kalter Krieg und heiße Kupplung

Das kanadische Unternehmen Magna schlägt vor, dass die staatliche russische Sberbank und der vor der Verstaatlichung stehende GM-Konzern sich an Opel beteiligen. Das hieße in letzter Konsequenz: Obama und Medwedew teilen sich die Verantwortung für den Autobauer. Fahren beide beim nächsten G8-Gipfel mit Opel Insignias vor?
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Werden Barack Obama und Dmitri Medwedew beim nächsten G8-Treffen in Opel Insignias vorfahren? Oder werden sie das Juli-Event nutzen, um die Herzlichkeit ihrer Beziehung durch eine gemeinsame Fahrt im coolen neuen Opel GT Cabrio zu demonstrieren (GT, so kann man auf der Opel Website nachlesen, steht für GT'aime)?

Die Vorstellung ist gar nicht so weit hergeholt. Der amerikanische und der russische Staatspräsident könnten bald als Mehrheitsaktionäre die ultimative Kontrolle über die europäische General-Motors-Tochter Opel übernehmen. Dann jedenfalls, wenn der kanadische Kfz-Zulieferer Magna den Zuschlag bei Opel erhält.

Magnas Übernahmeplan, den Unternehmensrepräsentanten vor einigen Tagen vorstellten, sieht eine finanzielle und unternehmerische Beteiligung Russlands vor. Magna beabsichtigt einen Teil der Produktion zum angeschlagenen russischen Autobauer Gaz auszulagern und erwartet dafür eine finanzielle Beteiligung der staatlichen russischen Sberbank. Die Bank, die gleichzeitig der größte Gläubiger von Gaz ist, soll 700 Millionen Euro beisteuern und im Gegenzug einen 35-Prozent-Anteil an Opel erhalten. Weitere 35 Prozent sollen bei GM verbleiben, während Magna 20 Prozent und die Unternehmensführung übernimmt.

Aber im Augenblick sieht es ganz so aus, als ob GM in den Mehrheitsbesitz der US-Regierung wandert. Obama und Medwedew könnten also schon bald gemeinsam für die Zukunft Opels verantwortlich sein.

Diese bisher beispiellose Konstellation birgt ungeahnte Möglichkeiten. Nicht nur, dass die Karossen von Opel vielleicht bald zum Bild der amerikanisch-russischen Gipfeltreffen gehören könnten.

Vielleicht wird Magna auch gezwungen sein, sich zwischen den widersprüchlichen Forderungen seiner Hauptaktionäre zu entscheiden. Die kapitalistischen USA könnten darauf bestehen, dass Opel so schnell wie möglich hohe Renditen abwirft, während Russland vor allem die Beschäftigung in den eigenen Fabriken sichern will. Oder die USA könnten die Gelegenheit nutzen und von Russland die Abschaffung der prohibitiven Zölle verlangen, die das Land erst seit dem vergangenen Jahr auf Importwagen erhebt.

Und als ob es nicht schon genug wäre, dass Opel zwei Supermächte im Nacken sitzen, hebt auch noch Deutschland die Hand. Die Bundesregierung stellt Opel Garantien in Milliardenhöhe in Aussicht, wenn das Unternehmen im Gegenzug Zusagen macht, Arbeitsplätze zu erhalten. Am Donnerstag wird Deutschland voraussichtlich entscheiden, welchem Bieter es den Vorzug gibt. Das Ergebnis könnte die Chance auf einen ganz besonderen Schnappschuss eröffnen.

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