Oracle/Sun
Revierstreitigkeiten

Das relativ energische Vorgehen der US-Regierung unter Präsident Obama in Wettbewerbsfragen ist in Brüssel gut angekommen. Doch nachdem die EU-Kommission Einwände gegen die Fusion zweier US-Firmen vorgebracht hat, mischen sich Misstöne in das harmonische Verhältnis. Ansichten sind schnell geteilt, das Revier nicht.
  • 0

Das relative energische Vorgehen der US-Regierung unter Präsident Obama in Wettbewerbsfragen ist in Brüssel gut angekommen. Doch nachdem die EU-Kommission Einwände gegen die Fusion der beiden US-Technologiefirmen Oracle und Sun Microsystems vorgebracht hat, mischen sich Misstöne in das vorher so harmonische Verhältnis. Ansichten sind schnell geteilt, das Revier nicht.

Die EU-Kommission hat Bedenken, dass die Zusammenlegung der Datenbank MySQL von Sun mit den Datenverarbeitungsprodukten von Oracle dem Wettbewerb schaden könnte. MySQL ist die größte Open Source-Datenbank, während Oracle Marktführer bei der geschützten Datenbanksoftware ist. Die Wettbewerbshüter in Brüssel befürchten, dass Oracle, nachdem sie sich MySQL einverleibt hat, sich weigern könnte, die Open Source-Software zu lizenzieren oder dass die Firma deren Entwicklung behindert, um ihre teureren proprietären Produkte zu begünstigen.

Das US-Justizministerium hat mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten lassen und eine Pressemitteilung herausgegeben, in der es heißt, mit wettbewerbsschädigenden Auswirkungen sei bei der Fusion aller Voraussicht nach nicht zu rechnen. Die EU-Vertreter waren daraufhin derart irritiert, dass sie öffentlich darauf hinwiesen, es sei ungewöhnlich, dass eine Kartellbehörde eine andere in aller Öffentlichkeit in Frage stelle.

Doch das US-Justizministerium hatte in anderen Fällen schon ähnliche Einwände vorgebracht, wenn es der Meinung war, sein Zuständigkeitsbereich werde bedroht. Als das Gericht Erster Instanz der EU die Strafen gegen Microsoft bestätigte, erhob das US-Justizministerium Widerspruch. Auch die europäischen Klagen gegen den Kauf von Honeywell durch General Electric riefen die US-Behörden auf den Plan.

Diese Auseinandersetzungen spielten sich während der Amtszeit von Präsident Bush ab, dessen Regierung stärker als die jetzige von der Vorgehensweise der EU bei Kartellfragen abwich. Umso rauer war auch der Umgangston: US-Beamte brachten zum Beispiel ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass die Entscheidung der EU zu Microsoft möglicherweise "die Innovation dämpft und den Wettbewerb verhindert". Sie verwiesen darauf, dass die US-Gesetzgebung den "Wettbewerb, nicht die Wettbewerber" schütze.

Die Stellungnahme des US-Justizministeriums zu dem Abschluss zwischen Oracle und Sun kommt zwar auch zum Punkt, doch der Ton ist versöhnlicher. Der Text beschreibt die "sorgfältige Untersuchung" der "besonderen Gegebenheiten" des Deals durch das Ministerium und weist die EU-Wettbewerbsbedenken auf höfliche Art und Weise zurück. Und am Ende werden die engen Beziehungen der beiden Kartellbehörden noch einmal aufs Wärmste gelobt.

Die EU muss bis zum 19. Januar entschieden haben, ob sie die Fusion entweder befürwortet oder weitere Schritte einleiten will. Was die US-Seite will, ist klar. Zwar mögen sich die transatlantischen Beziehungen im Vergleich zu früher verbessert haben, doch die Botschaft bleibt die gleiche: Hände weg von unserem Revier.

Kommentare zu " Oracle/Sun: Revierstreitigkeiten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%