Kolumnen

_

Ordnungspolitischer Einspruch: Die Verbriefung rehabilitieren

Der Streit, ob eine Kreditklemme näherungsweise erreicht ist, erhitzt derzeit die Gemüter. Der Bundesfinanzminister hat zum Instrument der inhaltsleeren Drohung gegriffen. Dabei ist die Androhung von Zwang blanker Unsinn. Doch was kann getan werden, wenn man von folgenlosen Drohungen einmal absieht?

von Michael Hüther
Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Quelle: ap
Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Quelle: ap

Mit der Kreditklemme ist es ähnlich wie mit den Pferden, die Loriots Knollennasen-Männchen beim Besuch der Galopprennbahn mit dem Gefühl sucht, dass es sie doch geben müsse. Ja, wo läuft sie denn?

Anzeige

Belege für eine flächendeckende Kreditklemme lassen sich derzeit nicht finden. Nach den Daten der Bundesbank lagen zum Ende des ersten Quartals die an Unternehmen ausgereichten Kredite deutlich über dem Niveau des vorangegangenen Quartals und auch über dem des ersten Quartals 2008. Dies gilt fast durchgängig für alle Laufzeiten. Lediglich die Großbanken haben seit der Lehman-Insolvenz die Ausleihungen verringert.

Auch über die Verschärfung der Kreditkonditionen wird geklagt. Tatsächlich haben diese sich seit dem Herbst vergangenen Jahres deutlich verschlechtert. Allerdings sind die Veränderungen keineswegs auffällig. Im längerfristigen Vergleich liegen sie sogar unter den Werten des Jahres 2003, als eine günstigere gesamtwirtschaftliche Lage herrschte. Vor allem größere Unternehmen müssen mit stärker verschärften Kreditkonditionen umgehen.

In der im Juni veröffentlichten Umfrage des DIHK melden 23 Prozent der Unternehmen verschlechterte Kreditkonditionen. Vor allem werden höhere Anforderungen an Sicherheiten gestellt. Daneben gibt es viele anekdotische Berichte über eine langsamere Abwicklung von Kreditprozessen bis hin zu Verschleppung. Ebenso erfährt man von schwieriger gewordenen Finanzierungen für Großprojekte, insbesondere im Immobilienbereich, wo ein deutlich höheres Eigenkapital verlangt werde. Gleichwohl ergibt dies noch keinen gesamtwirtschaftlichen Befund einer Kreditklemme, zumal auch der Markt für Unternehmensanleihen sich als aufnahmefähig erwiesen hat, und das zu wieder reduzierten Risikoprämien.

Dessen ungeachtet bereiten die erwartbaren Wertberichtigungen auf Unternehmenskredite Sorgen für die nähere Zukunft. Angesichts der großen Fremdkapitalhebel auf der Passivseite der Bankbilanzen können schon kleinere Wertberichtigungen größere Bilanzverkürzungen notwendig machen. Dass dies noch nicht eingetreten ist, spricht für die Robustheit des Finanzsystems. Die Anpassungen wurden zudem bisher vor allem bei den Interbankenforderungen und bei den Wertpapierpositionen vorgenommen.

  • Kommentare
Kommentar : Tim Cook hat einen Fehler gemacht

Tim Cook hat einen Fehler gemacht

„One more thing“: Apple-Chef Tim Cook hat sich bei der Produktvorstellung stark an den guten alten Zeiten orientiert. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Jetzt muss er sich wieder an Steve Jobs messen lassen.

Kommentar: Keine Gnade für Frankreich

Keine Gnade für Frankreich

Drei Gründe nennt Frankreich, warum es die EU-Obergrenze beim Defizit bis mindestens 2017 nicht einhalten wird. Zwei davon ziehen nicht. Daher kann die Regierung kaum mit der Großzügigkeit seiner Partner rechnen.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Ohne die Alten wäre Schottland unabhängig

Ohne die Alten wäre Schottland unabhängig

Junge Schotten stimmten mit großer Mehrheit für eine Abspaltung. Alibaba räubert an der New Yorker Börse. SAP geht in den USA shoppen. Und Siemens-Chef Kaeser legt sich mit seinem Vorgänger an. Der Tagesrückblick.

What's right?: Wo bleibt das Gewissen?

Wo bleibt das Gewissen?

Wenn die Linkspartei in Thüringen mithilfe der SPD den Ministerpräsidenten stellen sollte, wäre das ein Fanal. Die Verniedlichung der SED-Nachfolgepartei würde triumphieren. Es wäre ein Tiefpunkt der politischen Kultur.

Der Werber-Rat: Kampfplatz Armlehne

Kampfplatz Armlehne

Nirgendwo spürt man den Geschlechterkrieg am eigenen Leib so deutlich wie beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Eine tolle Aufgabe für Kommunikationsprofis!

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: So wichtig wie Lesen

So wichtig wie Lesen

Die Vermittlung digitaler Grundkenntnisse kann gar nicht früh genug beginnen, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt.

Gastbeitrag zum Schottland-Votum: Was Anleger wissen sollten

Was Anleger wissen sollten

Bei den Investoren steigt die Spannung. Sollte Schottland im Vereinigten Königreich verbleiben, dürfte es eine Erleichterungsrally bei britischen Aktien und dem Pfund geben. Bei einem Austritt drohen heftige Marktreaktionen.

Gastbeitrag zur neuen EU-Kommission: „Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

„Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

In Berlin regt sich deutliche Kritik an der Besetzung der neuen EU-Kommission. Dass ausgerechnet Paris den künftigen Währungskommissar stellt, hält der CDU-Wirtschaftspolitiker Willsch für inakzeptabel.

  • Presseschau
Presseschau: Draghis Kreditkanone klemmt

Draghis Kreditkanone klemmt

Die Nachfrage der Banken bei der ersten von mehreren neuen Geldspritzen der EZB war verhalten. Die Wirtschaftspresse hämt, die „Kreditkanone“ von EZB-Chef Mario Draghi klemme wohl, sie sei das falsche Instrument.