Ordnungspolitischer Einspruch: Verschiedene Welten

Ordnungspolitischer Einspruch
Verschiedene Welten

Was haben der Fortgang von Nokia und der Kursverfall an den Börsen miteinander zu tun? Beide Vorgänge nähren die Illusion, dass die realwirtschaftlichen Entwicklungen in Zeiten international hochmobilen Kapitals nur von nachrangiger Bedeutung sind.

Die Finanzmärkte definieren die Standards und schreiben die Geschichten, die zur Messlatte unternehmerischen Handelns werden. Beide Vorgänge begründen vor allem Fragen, ermöglichen aber wenig zweifelsfreie Antworten. Die Vermutung, dass mehr und anderes dahinterstecken mag, ist kaum von der Hand zu weisen.

Beginnen wir mit dem scheinbar einfacheren Fall, dem der Handyproduktion in Deutschland. Wieder einmal wurde – so schlussfolgerten viele – das Ende des Industriezeitalters in Deutschland eingeläutet. Selbst hochtechnisierte Produktion könne nicht mehr im Lande gehalten werden. Wo soll dies hinführen? Vergessen sind alle die positiven Nachrichten der letzten Jahre, die von steigender Beschäftigung in unseren industriellen Branchen kündeten und weiteren Aufbau von Arbeitsplätzen in Aussicht stellten. Wie passt dies zusammen?

Deutschland ist unverändert eine in hohem Maße industriell geprägte Volkswirtschaft. Dieser Aufschwung ist von der Industrie getragen. Die Arbeitsteilung wurde national und international vorangetrieben: durch Outsourcing und Offshoring. Dahin-ter verbergen sich zum einen die Verringerung der eigenen Fertigungstiefe und damit einhergehend der verstärkte Bezug von Vorleistungen. Zum anderen wird die gezielte Nutzung ausländischer Standorte angesprochen, die über einen Kostenmix mit der heimischen Produktion deren Wettbewerbsfähigkeit gesichert hat.

So konnte es gelingen, Kraft und Raum für Innovationen und kundenspezifische Lösungen zu finden. Damit verbindet sich eine intensive Verflechtung mit den Dienstleistungsbranchen, die oft erst die besondere Marktposition ermöglicht. Um dauerhaft als Innovator und als kundenorientierter Differenzierer erfolgreich sein zu können, müssen die Unternehmen ihre Steuerungsfunktionen bündeln. Zugleich trägt die Einbindung in Netzwerke dazu bei, dieses Leistungsprofil zu stabilisieren. Daran gemessen, muss der Fall Nokia nicht überraschen, er verliert seine Widerspruchsqualität zum Industriestandort Deutschland.

Schwerlich in Deutschland zu halten ist die standardisierte, nicht vernetzte Produktion – einerlei, ob es sich um die Herstellung von Hemden oder Handys handelt. Das kann auch mit den Mitteln der traditionellen Wirtschaftsförderung – wie anschaulich zu erleben – nicht kompensiert werden. Eine solche Verwendung öffentlicher Gelder führt letztlich zur Vernichtung von Kapital, das an anderer Stelle hätte wirken können, und zur Entwertung von Gemeinsinn, den jede Marktwirtschaft bei allen Akteuren immer auch benötigt.

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