Ordnungspolitischer Einspruch
Wir brauchen keinen dritten Weg

Die moralische Entrüstung über das Fehlverhalten Einzelner, die Habgier und die Verantwortungslosigkeit, fordern scheinbar kompromisslos eine neue Welt des dritten Weges. Doch gerade in der Krise können Unternehmer und Politiker sich nicht in der Mitte durchwursteln. Verantwortung und Haftung bleiben die zentralen Kategorien in der Marktwirtschaft.
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Einer der vielen Schmähwitze der Kölner über ihre nördlich und rechtsrheinisch siedelnden Mitbürger geht wie folgt: Gehen zwei Düsseldorfer spazieren, da sagt der eine zum anderen: "Du, lass mich doch auch mal in der Mitte gehen!" Diese Geschichte ist nur auf den ersten Blick etwas plump, vielleicht sogar tölpelhaft. Bei näherer Betrachtung offenbart sie die tiefe Einsicht, dass man sich entscheiden muss, dass man sich nicht in der Mitte durchwursteln kann, dass es keine einfache Deckung gibt, dass es gar einen dritten Weg nicht gibt, vielleicht nicht geben kann.

Angesichts der gegenwärtig öffentlich und medial wieder aufkeimenden Debatten, ob es für die Wirtschaftsordnung nicht eines dritten Weges bedürfe, darf man sich diese Einschätzung ins Gedächtnis rufen. Alle bisherigen Formen des Wirtschaftens hätten sich überlebt, die Krise der Weltwirtschaft habe das Steuerungsversagen der Marktwirtschaft für jeden offenbart. Die moralische Entrüstung über das Fehlverhalten Einzelner, der man mit Verständnis begegnen kann, die Habgier und die Verantwortungslosigkeit, fordert scheinbar kompromisslos eine neue Welt des dritten Weges.

Dabei bleibt vieles im Unklaren. Deutlich sind in diesem Stimmungsbild nur die Ablehnung dezentraler Steuerung über Märkte und die Zustimmung zu einer bedeutenden Rolle des Staates. In der Forderung nach einem dritten Weg verdichten sich viele Sehnsüchte und Wünsche nach einer Welt, die nur von Guten und vom Guten geprägt ist. Hier liegt immerhin die Chance, jene besonders moralsensiblen Menschen aus ihrer Nische in den öffentlichen Raum zurückzuholen und in einen konstruktiven Dialog einzubinden. Dafür bedarf es jedoch Brücken zu neuer Sprachfähigkeit.

Eine solche Brücke baut die Denkschrift des Rats der Evangelischen Kirche (EKD) "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" vom Juli 2008, die in der Öffentlichkeit und in den Medien freilich kaum wahrgenommen wurde. Nach der Denkschrift "Gerechte Teilhabe. Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität" wird mit dem Unternehmer nun ein zentraler Akteur unserer Wirtschaftsordnung ins rechte Licht gerückt, der gerade in der evangelischen Kirche lange fremd war und dort kein einladendes Zuhause fand. Die durchaus lautstarken innerkirchlichen Proteste gegen die Denkschrift blieben zwar in der Minderheit, zehrten aber von alten Ressentiments.

Der Mut der neuen Denkschrift liegt in der positiven Sicht auf den Unternehmer: "In christlicher Sicht erwächst die Motivation zu unternehmerischem Handeln aus Gottes Berufung." Unternehmern wird eine hohe Bedeutung für Innovation, Wertschöpfung und gesamtgesellschaftlichen Wohlstand zugesprochen. Unternehmer sind als "schöpferische Zerstörer" überholter Strukturen ein Teil der Gesellschaft und deshalb in ihrer Verantwortung gefordert, einen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten. "Der christliche Glaube befreit zum vernünftigen, sachgemäßen und verantwortlichen Handeln."

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