Pakistan
Die schwachen Erben des starken Mannes

Zwar wendet der pakistanische Präsident Pervez Musharraf mit seinem Rücktritt das Trauma eines Amtsenthebungsverfahrens ab. Für die Wirtschaft des Landes könnte sich seine Entscheidung allerdings als zusätzlicher Belastungsfaktor erweisen. Die neue Regierung ist intern zerstritten, sie erhöht die Steuern und die Zuwendungen. Die Inflation hat sich verdreifacht und die Währungsreserven sind gefallen. Der Zeitabschnitt, in dem Pakistan ein stabiles Wachstum verzeichnen konnte, ist wahrscheinlich zu Ende.

Der Rücktritt von Präsident Pervez Musharraf, unter dessen Leitung Pakistan sieben Jahre lang stetig gewachsen war, scheint für die Wirtschaft des Landes nichts Gutes zu verheißen. Die neue Regierung ist intern zerstritten, sie erhöht die Steuern und die Zuwendungen. Die Inflation hat sich verdreifacht, seitdem Musharraf im vergangenen Jahr praktisch die Macht über das Land verloren hatte. Die Devisenreserven sind seit Oktober um 40 Prozent gefallen. Sieben Jahre stabilen Wachstums könnten zu Ende sein.

Im Jahr 2000 - ein Jahr, nachdem Musharraf die Macht ergriffen hatte, - schwenkte die Wirtschaft Pakistans auf einen Wachstumskurs von stetigen sechs Prozent im Jahr ein. Das entspricht einem Zuwachs um vier Prozent, wenn man das Bevölkerungswachstum des Landes berücksichtigt. Zu einem großen Teil scheint die Politik Musharrafs dafür verantwortlich zu sein, der Privatisierungen vorangetrieben und niedrigere Steuern eingeführt hatte. Nach den Anschlägen vom 11. September waren dem Land zudem Hilfsgelder aus dem Ausland zugeflossen. Das wirtschaftliche Kernproblem allerdings war und ist die Korruption. Die Finanzmärkte begrüßten die Wirtschaftspolitik à la Musharraf, der pakistanische Aktienmarkt ist zwischen 2001 und 2007 um das Zehnfache geklettert.

Seit dem vergangenen Jahr befindet sich die Wirtschaft Pakistans allerdings im Abschwung. Die Inflation, die 2007 noch bei etwa acht Prozent lag, ist jetzt mit 24 Prozent so hoch wie nie zuvor. Der Aktienmarkt ist seit April um 33 Prozent geschrumpft und die internationalen Kreditaufschläge Pakistans haben sich von 4,1 Prozent auf 7,4 Prozent ausgeweitet. Das Wirtschaftswachstum verliert drastisch an Tempo, während sich das Zahlungsbilanzdefizit im Fiskaljahr per Juni 2008 auf neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgeweitet hat - eine Verdopplung gegenüber dem Fehlbetrag des Vorjahres.

Das ist keine große Überraschung. Die neue Regierung, eine Koalition unter der Führung der Pakistan People?s Party, ehrt immer noch Zulfigar Ali Bhuttos Andenken, des sozialistischen Hard-Liners und nationalistisch gesinnten Präsidenten der siebziger Jahre. Bei der Vorstellung des Etatentwurfs im Juni waren zahlreiche Anklänge an Bhuttos Politik erkennbar. Das Budget sieht eine moderate Rückführung der Nahrungsmittel- und Kraftstoffbeihilfen vor, gleichzeitig wurden jedoch sowohl direkte als auch indirekte Steuern erhöht und unter dem Schlagwort "Benazir Card" ein neues Programm für Transferleistungen eingeführt.

Da sowohl der Etat als auch die Zahlungsbilanz tiefrote Zahlen aufweisen, wird sich dieser wirtschaftliche Kurs wohl kaum als fruchtbar erweisen. Zudem hatte sich die andere "Pro-Regierungspartei" unter der Leitung von Nawaz Sharif, den Musharraf 1999 entthront hatte, im Mai aus der Koalition verabschiedet. Sie unterstützte die Regierung nur deswegen, weil sie sich ein Amtsenthebungsverfahren gegen Musharraf erhoffte. Jetzt, da das politische Theater vorbei ist, muss die Regierung ihre Aufmerksamkeit schnellstens der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage Pakistans widmen.

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