Pakistan nach Bhutto-Ermordung
Chaos, Armut, Atomraketen

Durch die Ermordung von Benazir Bhutto rückt Pakistan entweder einer autoritären Herrschaft oder dem Chaos noch näher. Beides wäre nicht gut für die Wirtschaft Pakistans. Und ein von Armut gezeichnetes Land, das im Besitz von Atomwaffen ist, könnte einen äußerst zerstörerischen Einfluss auf die Welt ausüben.

Die Ermordung von Benazir Bhutto, der zweimaligen Premierministerin von Pakistan und führenden Kandidatin für die Wahlen am 8. Januar, ist verheerend für Pakistan und die Welt. Auch wenn Bhutto selbst eine wirtschaftspolitisch erfolglose, gemäßigte Sozialistin war, bot sie dem Land doch die beste Chance, nach den Wahlen einem autoritären Regime oder dem Chaos zu entgehen. Weder das eine noch das andere wäre gut für die Wirtschaft des Landes. Aber Chaos und Verarmung einer Nation von 165 Millionen zunehmend radikaler werdender Muslime, die im Besitz von Atomwaffen sind, stellen eine ernste Gefahr für die Welt dar.

Seitdem sich Pakistan 1998 zur Atommacht ausgerufen hat, ist das Land ein Sicherheitsrisiko für die Welt. Die Gefahren waren jedoch durch die autoritäre Regierung unter Pervez Musharraf gemildert worden, da es ihr gelungen ist, ein respektables Wachstum zu erreichen, relativen Wohlstand in der pakistanischen Gesellschaft zu verbreiten, Arbeitsplätze zu schaffen und damit langfristige Aussichten zu eröffnen, den islamischen Extremismus auf eine überschaubare Minderheit zu begrenzen. Die Märkte haben dem wirtschaftlichen Erfolg Pakistans mehr Beachtung geschenkt als seiner politischen Instabilität: Vor Bhuttos Ermordung hatte der Leitindex der Börse von Karachi auf das Jahr gesehen um 47 Prozent zugelegt.

Ohne wirtschaftlichen Fortschritt ist Pakistan eine Gefahr für seine Nachbarn. Die Bevölkerung des Landes wächst jährlich um 1,8 Prozent. Deshalb könnte jede Störung des Wirtschaftswachstums zu einem Fehlschlag in der Bildungspolitik führen und gewaltige Truppen arbeitsloser junger Menschen nach sich ziehen – der beste Nährboden für den Extremismus. Daher ist die ökonomische Kompetenz einer pakistanischen Regierung genau so wichtig wie ihre politische Legitimität. Ein wirtschaftliches Versagen in einem solchen Umfeld führt schnell zum politischen Scheitern und nährt den Terrorismus.

Es gibt wenige gute Optionen. Nawaz Sharif, der andere Ex-Premierminister, der sich zur Wahl stellt, steht wirtschaftlich auf solideren Füßen als Bhutto, aber ihm haftet der Beigeschmack der Korruption an. Zudem ist er bei Musharraf in Ungnade gefallen, der ihn 1999 des Landes verwiesen hat. Es ist unwahrscheinlich, dass Musharraf, der im Oktober in einem zweifelhaften Verfahren erneut zum Präsidenten gewählt worden war, eine Mehrheit im Parlament erringen kann.

Allerdings würde einer erneuten Verhängung einer autoritären Herrschaft, wie wirtschaftlich erfolgreich sie kurzfristig auch immer sein könnte, selbst die eingeschränkte Rechtmäßigkeit der Regierung unter Musharraf zwischen 1999 und 2007 fehlen. Damit wäre das Risiko gegeben, dass sich noch größere Unruhen und ein ausgeprägterer Extremismus zu einem späteren Zeitpunkt entladen.

Chaos in Pakistan würde El Kaida unzählige Rekruten in die Arme treiben. Chaos in Pakistan birgt die Gefahr, dass Nuklearwaffen in die Hände islamistischer Terroristen geraten. Der Einsatz für die Welt, dies zu verhindern, ist hoch. Die Frage ist nur, wie?

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