Palm/RIM
Trügerische High-Tech-Utopie

Kann jeder Smartphone-Hersteller besser sein als der Durchschnitt? Die Investoren scheinen dies zu glauben. Der Absatz von Mobilfunkgeräten in der Basisausführung ist ausgereift. Daher setzen die Hersteller auf die Aussichten für ihre weiter entwickelten Modelle. Und die Anleger wiederum scheinen der Ansicht zu sein, dass buchstäblich jede Firma den Markt für sich gewinnen kann. Der lauwarme Quartalsbericht des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) in der vergangenen Woche signalisiert jedoch, dass weitere Enttäuschungen auf die Gutgläubigen warten.
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In den vergangenen sechs Monaten haben sich die Aktien von Palm, RIM und Motorola allesamt im Wert fast verdoppelt. Die Titel von Apple und Nokia haben sich mit Gewinnen um 73 bzw. 28 Prozent auch nicht gerade schlecht geschlagen. Ein Teil dieser Aufwärtsbewegung ist zweifellos der Rückkehr der "animal spirits" geschuldet, also der Tatsache, dass der Herdentrieb und der spontane Zwang zu handeln statt untätig zu bleiben, wieder unter den Investoren um sich greift, die Keynes als Antriebsfaktoren für das Anlegerverhalten ausgemacht hat. Doch die Investoren scheinen dabei ein wenig zu optimistisch gewesen zu sein - und diese Beobachtung leitet sich nicht nur von dem Kursverfall um 17 Prozent bei RIM vom vergangenen Freitag ab.

Alle fünf genannten Firmen werden derzeit zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis, basierend auf den für 2010 erwarteten Ergebnissen, gehandelt, das über dem des S&P 500-Index liegt. Vielleicht haben die Investoren Recht, wenn sie Apple, dem Hersteller des Segmentführers iPhone, auf dieser Basis ein Kurs-Gewinnverhältnis von 31 zugestehen. Und vielleicht verdienen auch Palm oder Motorola ihre Bewertungen hinsichtlich ihrer Aussichten, nachdem sie nun - nach Verlusten in den zurückliegenden Quartalen - wieder Gewinne vorweisen.

Aber es ist schon merkwürdig, allen großen Spielern allein schon dafür einen Aufschlag zuzuerkennen, dass sie sich überhaupt auf einem immer dichter gedrängten Markt blicken lassen.

Darüber hinaus haben RIM, Palm und Apple jüngst allesamt die Preise für Smartphones gesenkt. Dies könnte auf einen immer härteren Kampf um die Käufergunst hinweisen. Preiskürzungen allerdings führen in der Regel zu einer Erosion der Einnahmen und Gewinne quer durch den Sektor - und tatsächlich hat RIM die Prognose für die Bruttomargen für das kommende Quartal zurückgenommen. Außerdem werden Telefongeräte von Motorola und der taiwanesischen HTC, die mit dem Betriebssystem Android von Google ausgerüstet sind, in Kürze auf den Markt kommen. Der Wettbewerb wird dadurch nur noch schärfer werden.

Palm hat den kräftigen Kursanstieg genutzt und in der vergangenen Woche Aktien verkauft, um sich neue Mittel zu besorgen. Die Investoren müssen nun herausarbeiten, welche Firmen ihrer Meinung nach wirklich besser sind als der Durchschnitt. Die anderen sollten vielleicht der Vorgabe von Palm folgen.

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