Paraguay
Lugo ist nicht Hugo

Der designierte Präsident von Paraguay, Fernando Lugo, bietet ausländischen Investoren kostenlos Strom an. Dies ist wirtschaftlich sinnvoll und lässt darauf schließen, dass er die Außenwelt willkommen heißt. Und da die Energiepreise hoch sind, ist sein Angebot zugleich eine clevere Marketing-Taktik, um an potenzielle Investoren heranzukommen.

Der designierte Präsident von Paraguay, Fernando Lugo, bietet ausländischen Investoren die kostenlose Nutzung von Energie aus dem Wasserkraft-Projekt Itaipu an. Das ist wirtschaftlich sinnvoll und zeigt, dass Lugo kein „ökonomischer Nationalist“ wie der venezolanische Präsident Hugo Chavez ist. Außerdem ist es ein schlauer Marketing-Trick, um an mögliche Investoren heranzukommen.

Das Itaipu-Projekt, das in den 80er Jahren errichtet wurde, deckt 20 Prozent des brasilianischen Elektrizitätsbedarfs ab und hundert Prozent des Bedarfs von Paraguay. Paraguay hat einen Anspruch auf 50 Prozent der Energieerzeugung, aber das Land nimmt derzeit 200 Mill. Dollar jährlich aus dem Verkauf des von ihm nicht benötigten Stroms an Brasilien ein. Lugo will neu verhandeln und schlägt vor, dass Paraguay dafür 1,8 Mrd. Dollar im Jahr erhalten soll – das würde ausreichen, um das Bruttoinlandsprodukt des Landes um 17 Prozent anzuheben.

Indem er Brasilien anprangert und damit droht, die Angelegenheit vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen, hat sich Lugo, dessen Wahlsieg am 20. April der 61jährigen Herrschaft der autoritären Colorado-Partei ein Ende gesetzt hat, wie ein typischer Linker gegeben. Jetzt aber hat er angedeutet, Paraguay könnte durch das kostenlose Stromangebot ausländische Investitionen an sich ziehen und damit verhindern, die Elektrizität zu Schleuderpreisen an Brasilien verkaufen zu müssen.

Paraguay ist der viertgrößte Exporteur von Sojabohnen der Welt, aber das Land verarbeitet nur ein Drittel der Ernte. Lugo will das “Agarexport“-Modell des Landes in eine “Agrarindustrie” verwandeln. Da Paraguay einen Überschuss an Arbeitskräften hat, wäre eine Investition, bei der sowohl viel Energie als auch viele Arbeitskräfte benötigt werden, ideal.

Lugos ursprünglicher Vorschlag, die Energiepreise für ein Jahr auszusetzen, greift zeitlich zu kurz, um einen Industriebetrieb einzurichten. Ein traditioneller Zwanzig-Jahres-Vertrag über den kostenlosen Bezug von Energie dagegen würde das Risiko von späteren Nachverhandlungen oder gar der Aufkündigung mit sich bringen. Eine Laufzeit von fünf Jahren, die kurz nach der Amtseinführung Lugos im August einsetzen könnte, würde nur etwas über seine Amtszeit hinausreichen, wäre aber nicht so lange, dass sich eine neue Regierung dazu veranlasst sähe, Neuverhandlungen auf sich zu nehmen. Das könnte ungefähr hinkommen. Der Investor könnte den maximalen Nutzen aus einer derartigen Vereinbarung ziehen und Paraguay würde im Gegenzug den bestmöglichen Deal erreichen.

Der Vorschlag von Lugo, der einst als katholischer Bischof diente, lässt darauf schließen, dass er ein ehrliches Interesse an ausländischen Investitionen hat. Und dass er wie Luis Inacio "Lula" da Silva aus Brasilien – und anders als Chavez oder der bolivianische Evo Morales – Schritte einleiten könnte, die der Wirtschaft des armen und historisch korrupten Landes zugute kommen. Zumindest hat Lugo angesichts der täglich neuen Energiepreisrekorde schon einmal einen exzellenten Sinn für das Marketing an den Tag gelegt.

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