Parmalat
Parmalat: Zeit zum Melken?

Parmalat hat ein Gerichtsverfahren gegen die Citigroup über 2,2 Mrd. Euro verloren und muss obendrein noch Schadensersatzzahlungen von 360 Mill. Euro leisten. Die Aktien der skandalgeschüttelten Milchgruppe gaben daraufhin um 20 Prozent nach. Die Stimmung vieler Investoren hatte sich ohnehin aufgrund des Bummelkurses der Italiener bereits merklich abgekühlt.

Parmalat erlebt eine Krise, was das Vertrauen der Investoren in die skandalgeschüttelte Milchgruppe angeht. Sie hat nicht nur ein Gerichtsverfahren über 2,2 Mrd. Euro gegen die Citigroup im Zusammenhang mit ihrer Pleite im Jahr 2003 verloren, sondern muss obendrein noch Schadensersatzzahlungen über 360 Mill. Euro leisten. Die Aktien der Gruppe reagierten mit Abschlägen um zwanzig Prozent. Ohnehin hatte sich die Stimmung der Investoren aufgrund des Bummelkurses der Italiener merklich abgekühlt. Es könnte an der Zeit für den Parmalat-Chef Enrico Bondi sein, über einen Aktienrückkauf nachzudenken - bevor Parmalat zum Übernahmeziel wird.

Parmalat ist eine der billigsten Aktien in ihrem Sektor. Die Titel werden zum etwa Sechsfachen der für 2009 prognostizierten Ergebnisse gehandelt. Ihr Vielfaches liegt um 20 bis 30 Prozent niedriger als das anderer Nahrungsmittelhersteller. Angesichts dieses Preises nehmen die Anleger wohl effektiv an, dass es Parmalat auch nicht gelingen wird, die noch anstehenden Gerichtsverfahren bezüglich ihrer Pleite zu gewinnen.

Und doch sind die Geldsäckel von Parmalat bis zum Platzen mit einer Mrd. Euro gefüllt, die das Unternehmen bei Vergleichen bereits an Land gezogen hat. Das entspricht fast der Hälfte der Marktkapitalisierung der Firma von 2,1 Mrd. Euro. Ein Teil dieses Geldes mag zwar letztendlich an Citigroup fließen, auch wenn Parmalat in die Berufung gehen will. Aber diese Cash Cow zu melken, ist nicht ganz unkompliziert.

Die Zahlung einer außerordentlichen Dividende wird durch die Verordnungen der Gesellschaft unterbunden, die die Dividenden auf 50 Prozent der Gewinne begrenzen - und Prozesserfolge zählen nicht zu den Gewinnen. Aber ein Aktienrückkauf wäre machbar.

Wenn für den gesamten Betrag von einer Mrd. Euro Parmalat-Aktien zum Schlusskurs vom Dienstag von 1,3 Euro je Aktie zurückgekauft würden, dann könnte sich dadurch möglicherweise der Gewinn je Aktie auf 0,37 Euro erhöhen und damit fast verdoppeln. Beim Sechsfachen der Ergebnisse würden sich die Aktien zu 2,30 Euro verkaufen.

Bondi, ein selbsternannter Verteidiger der Aktionärsrechte, hatte sich in der Vergangenheit dieser Idee vehement widersetzt. Er hatte zudem erklärt, er könne sich vorstellen, einen Teil des Geldbergs für vorsichtige Akquisitionen einzusetzen.

Was Zukäufe angeht, sieht Parmalat jetzt, da ihre Prozesse sich langsam dem Ende zuneigen, eher wie ein Übernahmekandidat denn wie ein Käufer aus. Es stehen noch Gerichtsverfahren gegen die Bank of America und Grant Thornton an, die Urteile könnten Anfang des kommenden Jahres fallen. Vielleicht wäre es doch ganz gut, über einen Aktienrückkauf nachzudenken.

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