Paul Allen
Multi-Milliardär unternimmt Knebelversuch

Paul Allen, der milliardenschwere Eigentümer der insolventen US-Kabelgesellschaft Charter Communications, will die bevorrechtigten Gläubiger des Unternehmens unter der Führung von JP Morgan schwächen. Er beruft sich dabei auf eine Richtlinie, die es den Kreditnehmern erlaubt, einige bestehende Kredite beizubehalten. Aktieninhaber wie Allen könnten dann die Kontrolle über das Verfahren behalten.
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Paul Allen versucht die bevorrechtigten Gläubiger von Charter Communications zu knebeln. Der Multi-Milliardär verfolgt einen Plan, der sich eine Eigenheit der US-Insolvenzordnung zu Nutze macht, um die traditionellen Rechte der Gläubiger zu übertrumpfen und die Kontrolle über die insolvente Kabelgesellschaft zu behalten.

Allen beruft sich auf den Abschnitt 1124, der besagt, dass ein Unternehmen eine gewisse Kategorie an Schuldtiteln nicht umstrukturieren muss, wenn es nicht gegen das Kreditabkommen der Kapitalgeber verstoßen hat. Das ist ungewöhnlich - eine Verletzung solcher Übereinkünfte ist doch gewöhnlich der Auslöser für eine Insolvenz.

Doch wenn dies tatsächlich möglich ist, wäre dies ein äußerst positiver Aspekt für das Unternehmen: Schulden, die vor der Kreditkrise aufgenommen wurden, waren mit niedrigeren Zinsätzen und lockereren Konditionen versehen als dies jetzt überhaupt denkbar wäre.

Nach Angaben von Charter habe die Firma zwar gegen die Bestimmungen ihrer nachrangigen Kredite verstoßen, nicht aber gegen die vorrangiger Verbindlichkeiten. Allen hat sich mit den nachrangigen Gläubigern, darunter mit Apollo, auf einen Schuldenswap geeinigt. Sie gewährten ihm im Gegenzug weiter die Stimmrechtskontrolle. Die bevorrechtigten Gläubiger unter der Führung von JP Morgan hat Allen links liegen gelassen.

Allen beteuert, dass dadurch die Change of Control-Klauseln bei den vorrangigen Krediten nicht ausgelöst worden seien. Wäre dies geschehen, wären diese Gläubiger als Erste zum Zug gekommen und möglicherweise hätten sie sogar die Kontrolle erlangt.

Die bevorrechtigten Gläubiger protestierten lautstark und behaupteten, Apollo und Allen steckten unter einer Decke. Sie argumentierten, dass die nachrangigen Gläubiger letztendlich das Steuer übernehmen, so dass der Deal die Change of Control-Klausel sehr wohl in Kraft setzt. Und sie führen an, dass Charter zudem andere Aspekte ihrer Kreditvereinbarungen verletzt habe.

Die Gerichte wägen die Sachlage immer noch ab. Doch wie auch immer das Urteil aussehen wird - die Geldgeber sollten gut aufpassen. Aktienanleger haben in jüngster Zeit schon mehrfach versucht, den bevorrechtigten Gläubigern die Kontrolle über das Insolvenzverfahren zu entwinden.

Bei der Insolvenz des Textileinzelhändlers Eddie Bauer etwa versucht die Firma, den Abschnitt 363 der Insolvenzordnung heranzuziehen. Dieser erlaubt es dem Schuldner, schnell einen Verkauf von Vermögenswerten an einen Käufer seiner Wahl einzufädeln. Bevorrechtigte Gläubiger haben in der Angelegenheit wenig mitzureden. Chrysler hat sich ebenfalls eines Verkaufs gemäß Abschnitt 363 bedient, um seine Insolvenz zu beschleunigen. In ähnlicher Weise sieht auch Abschnitt 1124 einen vorab arrangierten Abschluss vor, den der Unternehmensvorstand der Firma in die Wege leitet und nicht dessen bevorrechtigte Gläubiger.

Diese Strategien stellen die Grundprinzipien auf den Kopf, um deren willen vorrangige Kredite überhaupt eingegangen werden: Sie werfen weniger ab, dafür sind sie absolut sicher. Die Insolvenzordnung mag solche Eigenheiten zulassen, aber die Gläubiger haben Recht, wenn sie sich gegen eine solche Behandlung zur Wehr setzen - oder künftig mehr dafür verlangen, dass sie die zusätzlichen Risiken auf sich nehmen.

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