Pensionkassen
Seichter Krater

Die Pleite von Chrysler mag das Defizit der US-Garantieversicherung für Pensionkassen zwar vergrößern, doch dieses Mal werden die US-Steuerzahler nicht allzu schwer in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem bleibt der Pensionsversicherer insolvent, da helfen keine noch so sorgfältigen Verschleierungsmanöver.
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Die US-Regierung wird möglicherweise die Pensionsverbindlichkeiten von Chrysler übernehmen müssen. Doch selbst wenn das Insolvenzverfahren des Autobauers nach Kapitel 11 der US-Insolvenzordnung den amerikanischen Steuerzahlern die Verpflichtungen gegenüber seinen ehemaligen Mitarbeitern aufhalst, wird sich bei der Pension Benefit Guarantee Corporation (PBGC) kein neuer alles verschlingender Krater auftun.

Durch den Pensionsplan von Chrysler könnte sich das Defizit der US-Garantieversicherungsgesellschaft für Pensionskassen zwar vergrößern, aber nur um zwei Mrd. Dollar des geschätzten versicherungsmathematischen Fehlbetrags des Autoproduzenten von neun Mrd. Dollar, denn die Auszahlungen einzelner Pensionen durch die PBGC sind begrenzt. Trotzdem bleibt die Versicherung insolvent - wenn sie dies auch noch so sorgfältig verbergen will. Doch da die Anwartschaften eingefroren wurden und die Pensionspläne mit definierten Leistungen, bei denen den Arbeitnehmern vorher festgelegte Auszahlungen versprochen werden, rückläufig sind, hält sich das Loch, das die Steuerzahler auffüllen müssen, in Grenzen.

Die PBGC war nach dem Jahr 2000 in die roten Zahlen gerutscht, nachdem die Garantieversicherung die unterfinanzierten Versorgungspläne von United Airlines und Bethlehem Steel und anderen erworben hatte. Allerdings war das berichtete Defizit 2008 um drei Mrd. Dollar auf 11,1 Mrd. Dollar geschmälert worden, indem die versicherungsmathematischen Annahmen dahingehend geändert wurden, dass die Gesellschaft den Ertrag aus Schuldtiteln in Bezug auf Unternehmensschuldtitel und nicht mehr in Bezug auf Treasuries berechnete.

Nach den jüngsten Einbrüchen auf den Aktienmärkten ist es wahrscheinlich, dass die Pensionspläne, die die PBGC übernommen hat, beträchtlich im Minus liegen. So beläuft sich zum Beispiel das Defizit der betrieblichen Altersversorgung von GM auf etwa 20 Mrd. Dollar, auch wenn der angeschlagene Autobauer 2003 eine gesonderte Pensionsfinanzierung über zehn Mrd. Dollar vorgenommen hatte.

Der Fehlbetrag der PBGC wird allerdings nicht exponentiell steigen. Dafür sorgen zwei Faktoren: Zum Ersten ist das Limit der Pensionsauszahlungen durch die PBGC recht niedrig. Es liegt derzeit bei 4500 Dollar monatlich bei einem Plan, der 2009 ausläuft. Zudem werden die Leistungen für die Gesundheitsversorgung nicht berücksichtigt. Damit würde ein großer Teil der Fehlbeträge des Chrysler-Plans ausgelöscht, indem man die Gesundheitsversorgung herausnimmt und die Pensionen hoch bezahlter, langjähriger Mitarbeiter deckelt. Zudem sind die Leistungen nach dem Erlöschen eines Plans nicht indexiert, so dass die Anwartschaften der wenigen verbleibenden Pensionäre aus Programmen, die 1974, dem Jahr der Gründung der PBGC, endeten, auf nur 750 Dollar im Monat begrenzt sind.

Zweitens laufen Pensionspläne mit definierten Leistungen bei den amerikanischen Unternehmen allmählich aus und werden durch definierte Beitragsprogramme ersetzt. Unternehmen wie Microsoft, die während der letzten Generation gewachsen sind, weisen keine Pensionspläne mit definierten Leistungen auf. Die potenzielle Rolle der PBGC ist daher auf ein schrumpfendes Segment der Erwerbfähigen in den USA beschränkt.

Irgendwann wir die Garantieversicherung mit fast hundertprozentiger Sicherheit von der US-Regierung mit neuem Kapital ausgestattet werden müssen. Verglichen mit anderen Verpflichtungen, die den amerikanischen Steuerzahlern im vergangenen Jahr aufgedrückt worden sind, kann dieser Krater allerdings noch als moderat bezeichnet werden.

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