Pernod
Hochprozentig

Kein Zweifel, Pernod hat mit dem Zuschlag für Absolut einen guten Coup gelandet. Die Konkurrenten im Übernahmekampf haben jetzt das Nachsehen. Allerdings könnte sich bald herausstellen, dass Pernod den Wodka von morgen zu überhöhten Preisen von gestern gekauft hat.

Kein Zweifel, Pernod hat mit dem Zuschlag für Absolut einen guten Coup gelandet. Die Konkurrenten im Übernahmekampf haben jetzt das Nachsehen. Allerdings könnte sich bald herausstellen, dass Pernod den Wodka von morgen zu überhöhten Preisen von gestern gekauft hat. Sein Hauptkonkurrent, das US-Konglomerat Fortune Brands, hat unter der Immobilienkrise zu leiden. Pernod hätte also nur abwarten müssen. So blättert der französische Konzern für Absolut das 21-fache des letztjährigen Ergebnisses (Ebitda) auf den Tisch – ein Preis an der oberen Grenze dessen, was im Augenblick in der Branche gezahlt wird und nur wenig unter dem 23-fachen, das LVMH für die Whiskymarke Glenmorangie im Jahr 2004 hinlegte.

Es gibt natürlich gute Gründe für Pernod anzunehmen, dass sich das Geschäft bezahlt macht. Absolut konnte im vergangen Jahr ein überzeugendes Wachstum von 9 Prozent verzeichnen und ist Marktführer bei Premium-Wodka. Und Pernod fehlt noch eine Wodka-Marke im Sortiment. Bisher hat das Unternehmen nur die Vermarktungsrechte für die russische Marke Stolichnaya, die nun sukzessive aufgegeben werden soll. Außerdem kann Pernod sich nun als nur knapp unterlegener Zweiter mit dem weltgrößten Spirituosenanbieter Diageo messen.

Pernod erwartet nach eigenen Aussagen Synergieeffekte in Höhe von 125 bis 150 Millionen Euro aus dem Zusammenschluss. Nach Steuern und auf den heutigen Wert heruntergebrochen verringere sich der tatsächliche Akquisitionspreis dadurch auf nur noch wenig mehr als das 14-fache des Ebitdas. 60 Prozent der positiven Effekte erwartet das Unternehmen aus Kosteneinsparungen, den Rest soll der Vertrieb beisteuern, der durch die Absolut-Übernahme Auftrieb erhalten soll. Finanzieren will Pernod den 5,6-Milliarden-Euro-Deal durch Kreditaufnahmen. Dazu soll eine Konsortialanleihe in Höhe von 12 Milliarden Euro begeben werden, die die Akquisition ermöglichen und alte Schulden ablösen soll. Nach Abschluss der Finanztransaktionen ergibt sich daraus eine Nettoverschuldung der französischen Gruppe in Höhe des 6-fachen Ebitdas, die man nach Angaben aus dem Konzern leicht verkraften kann.

Aber es gibt einen Haken. Pernod setzt darauf, dass die Wachstumsabschwächung in den USA durch das Geschäft in Europa und den Schwellenländern mehr als kompensiert werden kann. Stellt sich heraus, dass die wirtschaftliche Talfahrt doch ernstere Ausmaße annimmt, dann wird Pernod mehr als die versprochenen vier Jahre brauchen, um seine Kapitalkosten unter 7 Prozent zu senken. Damit könnte man im Konzern aber auch zu dem Schluss kommen, dass die Verschuldung zu hoch ist. Bis dahin setzt Pernod aber offensichtlich darauf, dass jede Rezession mithilfe von depressiven Konsumenten, die nach der Flasche greifen, gemeistert werden kann.

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