Petrochina
Chinesische Bären

Die gigantische Börsenbewertung von Petrochina birgt Gefahren. Sie weckt Erinnerungen an die erste große Spekulationsblase der Börsengeschichte im Jahre 1720. Wenn China nicht aus der Geschichte lernt, droht eine hundertjährige Baisse.

Die magische Grenze von einer Billion Dollar, die die Börsenbewertung Petrochinas vor kurzem überschritt, hat ihre Gründe. Die exorbitante Marktkapitalisierung der Ölgesellschaft ist ein Ergebnis der restriktiven Praktiken von Chinas Regierung. Chinesische Investoren, die sowieso keine Aktien im Ausland kaufen dürfen, haben über Schanghais Börse lediglich Zugang zu zwei Prozent der Aktien. Da werden Erinnerungen an die erste große Spekulationsblase der Börsengeschichte wach.

Im Januar des Jahres 1720 erbot sich die South Sea Company, Großbritanniens Staatsschulden zu übernehmen und sie durch die Emission eigener Aktien zu finanzieren. Zunächst stieg der Kurs der South Sea Company dramatisch an. Ein weiterer Anstieg wurde verhindert, weil auch ein Konkurrenzunternehmen Aktien in Umlauf brachte, die das Kapital der Investoren aufsaugten. Schließlich kam der Gesetzgeber zu Hilfe: Anhänger der South Sea Company brachten das „Spekulationsgesetz“ durch, das nur noch Aktiengesellschaften mit staatlicher Zulassung erlaubte. Damit fand der Wettbewerb um Anlagegelder ein Ende, der Kurs der South Sea Company konnte wieder steigen.

Kurzfristig hatte das Gesetz Erfolg. Der Kurs der South-Sea-Aktie erreichte einen Wert, der dem Fünffachen des britischen Bruttosozialprodukts im Jahr 1720 entsprach. Daran gemessen ist Petrochina billig.

Aber die Geschichte endete mit einem Desaster. In wenigen Monaten fielen die Aktien der britischen Gesellschaft nach der staatlichen Intervention auf ein Zehntel ihres Wertes. Die Nachwirkungen waren lang und schmerzhaft. Die Börse Londons verharrte in der Depression, bis das Spekulationsgesetz erst 1825 widerrufen wurde – ein 105-jähriger Bärenmarkt.

Nicht immer wiederholt sich die Geschichte. Aber es sieht ganz so aus, als ob China das South-Sea-Schicksal drohen könnte, wenn es die heimischen Investoren in den überhitzten Inlandsmarkt drängt. Ein Experiment im August, als China Investoren auch Auslandsinvestitionen gestattete, hatte nur wenige Monate Bestand. Die historische Lektion: China könnte vor einem großen Crash stehen und vor einer anschließenden Baisse, die irgendwann um 2112 endet.

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