Petrodollar-Fonds
Achtung – den Bieter genau prüfen!

Petrodollar-Fonds stecken voller Geld. Aber sie können unberechenbar sein. Das hat der britische Einzelhändler Sainsbury gerade auf die harte Tour gelernt. Künftig sollten sich Übernahmekandidaten nicht von hohen Geboten blenden lassen – sondern unbequeme Fragen stellen.

Die Aufmerksamkeit eines Gönners auf sich zu ziehen, ist nicht immer angenehm. Das hat der britische Einzelhändler Sainsbury gerade auf die harte Tour gelernt. Die vermögende Qatari Investment Authority (QIA) hat ihre als sicher geltende Übernahme-Offerte für den britischen Einzelhändler aufgegeben. Und das nach sechs Monaten ernsthaften Werbens. Die Aktien von Sainsbury fielen daraufhin an einem einzigen Handelstag um über 20 Prozent. Gibt es denn irgendetwas, was künftige Übernahmekandidaten tun können, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen? Vielleicht sollten sie früh mit der – umgekehrten – Sorgfaltsprüfung anfangen.

Die Vorstände künftiger Übernahmeziele könnten undurchsichtigen Staatsfonds drei Fragen stellen. Erstens: Wo ist das Geld? Die QIA soll Gerüchten zufolge 60 Milliarden Dollar verwalten. Aber die genauen Details gelten als „vertraulich“. Doch der Kredit über drei Milliarden Dollar, den QIA im vergangenen Monat beansprucht hat, lässt die Frage aufkommen, wie viel des Vermögens auch wirklich verfügbar ist. Den Bieter zu bitten, Mittel möglicherweise auf einem Treuhandkonto zu sichern, könnte dabei helfen, sich sicherer zu fühlen.

Zweitens: Wie lange wird es dauern? Der Staatsfond aus Katar hat bei Sainsbury herumgetrödelt. Nachdem sie im April ihre Beteiligung offen gelegt hatte, hat QIA im Juli das Übernahmegebot vorgelegt. Aber erst Ende Oktober ist den Verantwortlichen aufgefallen, dass sie noch einmal zwei Wochen brauchen, um zusätzliche Mittel aufzutreiben. Das hatte der Board von Sainsbury nicht ahnen können. Aber künftige Kandidaten wissen jetzt, dass sie gleich von Anfang an beim zeitlichen Ablauf der Offerte Druck ausüben müssen.

Drittens: Wer ist der eigentliche Gönner? Die Offerte für Sainsbury war über einen Mittler des Staates Katar gelaufen. Aber während Three Delta, der Finanzberater des Staatsfonds, die volle Unterstützung von QIA hatte, hatte er keinen uneingeschränkten Zugang zu den Geldschatullen. Als die Kosten für die Transaktion zu steigen begannen, kam ans Licht, dass Sainsbury eigentlich mit einem Abgesandten des Scheichs verhandelte.

Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass die Vorstände auf diese Fragen auch Antworten bekommen. Anders als Beteiligungsgesellschaften, die von ihrem guten Ruf abhängig sind, wenn sie im Geschäft bleiben wollen, sind staatliche Fonds so gut wie niemandem unterstellt. Das macht es natürlich schwer, sie herumzuschubsen. Aber selbst auf die Gefahr hin, eine mögliche Offerte verschwinden zu sehen, sollten die Manager des Übernahmekandidaten ihr Bestes versuchen – aus Angst, dass eine glühende Romanze auf dem Schutthaufen endet.

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