Pharma-Fusion
Auf Einkaufstour in den USA

Japan besitzt den zweitgrößten Pharmamarkt weltweit. Bei Forschung und Entwicklung hinken die japanischen Pharmakonzerne allerdings hinterher. Zudem macht die Regierung druch auf die Preise. Vor diesem Hintergrund könnte Eisais 3,9-Milliarden-Dollar-Einkauf von MGI erst der Anfang einer teuren Shoppingtour japanischer Investoren auf der Suche nach amerikanischen Biotechfirmen sein.

Japanische Unternehmen sind bekannt für ihre Führungsrolle, wenn es um kleine und komplexe Dinge geht. Japan gilt auch als größter Pharmamarkt außerhalb der USA. Und dennoch gelten japanische Pharmaunternehmen eindeutig als zweitrangig – unter den Top Ten sind sie weder nach Marktwert noch nach wissenschaftlicher Reputation zu finden. Durch den Einkauf von US-Biotechs, wie Eisais 3,9-Milliarden-Dollar-Akquisition von MGI Pharma am Montag, werden sie zwar nicht gleich in die erste Reihe katapultiert, aber sie könnten helfen, einige drückende strategische Probleme zu lösen.

Alle unabhängigen japanischen Medikamentenhersteller sehen sich ähnlichen, wenn nicht sogar exakt den gleichen Problemen gegenüber. Lange Jahre lavierten sie sich so durch, indem sie leicht abgewandelte Versionen von vorher im Westen eingeführten Pillen auf den Markt brachten. Der unterentwickelte heimische Markt für preisgünstige Generika sorgte für anhaltend hohe Handelsspannen. Gelegentlich innovative Medikamente steuerten etwas Würze aus dem Export bei.

Aber der Markt wird ungemütlich. Die japanische Regierung drückt die Preise für alle Medikamente nach unten, vor allem für „ich-auch“-Kopien von Marktrennern. Das Angebot von Generika wird gleichzeitig gefördert, wodurch die Margen sinken. Große ausländische Pharmakonzerne nehmen den Konkurrenzkampf auf und haben weitaus größere Ressourcen zu ihrer Verfügung. Dass Rettung von einem japanischen Labor naht, ist indes unwahrscheinlich. Japanische Unternehmen leiden unter ihrer notorisch schwachen Forschungsproduktivität und kleinen Budgets – nur drei Konzerne investieren im Jahr mehr als eine Milliarde Dollar in Forschung und Entwicklung.

Das erklärt, warum Unternehmen wie Eisai sich auf den amerikanischen Biotechmarkt durchschlagen und Spitzenpreise zahlen. Die Übernahme von MGI ist die größte, die jemals von einem japanischen Pharmakonzern durchgeführt wurde. Auch der Preis entspricht dem Doppelten von MGIs Marktwert von vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass die Akquisition schon der dritte große Pharma-Deal von Eisai in den vergangenen zwei Jahren in den USA ist. Der springende Punkt: Für japanische Pharmaunternehmen führt der einfachste Weg zu größerer Forschungseffizienz und, am wichtigsten, zu neuen verkaufsfähigen Medikamenten über den Einkauf amerikanischer Unternehmen. Berücksichtigt man noch den fallenden Dollar, so ist es keine Überraschung, wenn sich herausstellt, dass die japanische Einkaufstour gerade erst begonnen hat.

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