Ping An
Wie ein Staatsfonds

Die Märkte im Westen brechen zusammen, und der zweitgrößte Versicherer Chinas richtet eine Kriegskasse über 20 Mrd. Dollar ein: Die Aktionäre von Ping An sind darüber vielleicht nicht glücklich, aber es könnte eine Chance sein. Mit Liquidität gesegnete Unternehmen aus dem Osten könnten sich - wie Staatsfonds - auf ihre geschwächten westlichen Ziele stürzen. Eine Analyse.

Ping An richtet eine Kriegskasse ein. Die westlichen Märkte brechen zusammen und der zweitgrößte Lebensversicherer Chinas will 20 Mrd. Dollar sammeln, um seine Mittel für Akquisitionen im Ausland zu erhöhen. Das ist ein gigantischer Betrag: Er entspricht dem Dreifachen der Erstemission von Ping An vor weniger als einem Jahr, einem Viertel ihrer gegenwärtigen Marktkapitalisierung und ist mit Abstand der größte Aktienverkauf des Landes.

Die Versicherungsgesellschaft wird von ehrgeizigen Zielen getrieben: Sie will ein globaler Anbieter von Finanzdienstleistungen werden. Auf den Geschmack ausländischer Märkte ist Ping An vor zwei Monaten gekommen, als die Gruppe 2,7 Mrd. Dollar für einen Anteil von 4,2 Prozent an der angeschlagenen belgisch-niederländischen Fortis gezahlt hat. Der Abschluss, bei dem sich die Chinesen einen Sitz im Verwaltungsrat gesichert haben, ebnet den Weg für eine grenzüberschreitende Kooperation.

Der jüngste Schritt von Ping An lässt darauf schließen, dass noch aggressivere Investitionen anstehen könnten. Der Versicherer hatte jüngst die Genehmigung erhalten, den Anteil an seinen Gesamtaktiva, den er im Ausland investieren kann, auf 15 Prozent zu verdreifachen. Zum Ende des dritten Quartals hatte das Unternehmen Aktiva über umgerechnet fast 86 Mrd. Dollar ausgewiesen. Das bedeutet, die Gruppe könnte bis zu 13 Mrd. Dollar für internationale Ziele ausgeben.

Ping An ist kein staatliches Unternehmen, aber das Volumen dieser Kriegskasse stellt es auf eine Ebene mit Staatsfonds etwa aus Oman oder Dubai. Die japanische Mizuho Bank, die jüngst einen nicht offen gelegten Anteil an der US-Investmentbank Merrill Lynch übernommen hat, hat bereits demonstriert, dass nicht-staatliche Unternehmen aus dem Osten mit soliden Bilanzen in der Lage sind, sich auf in Schwierigkeiten geratene westliche Ziele zu stürzen.

Natürlich muss Ping An dazu das Kapital erst einmal sammeln. Der große Verwässerungseffekt, dem die Aktionäre zustimmen müssen, macht die Investoren nervös. Der Handel mit den A-Aktien der Gruppe wurde am Montag ausgesetzt, nachdem diese um den an der Börse in Shanghai erlaubten Maximalbetrag von zehn Prozent gefallen waren. Die britische HSBC, mit einem Anteil von 17 Prozent größter Aktionär von Ping An, kann an der geplanten Inlandsofferte nicht teilhaben und dürfte wahrscheinlich am meisten dabei verlieren.

Das Sammeln von Kapital spiegelt die anhaltende Verschiebung der wirtschaftlichen Machtverhältnisse wider. HSBC hatte 2002 in Ping An investiert, lange bevor die Versicherungsgesellschaft an die Börse kam. Und doch scheinen sich alle Hoffnungen darauf, ein bevorzugter Geschäftspartner für die chinesische Versicherung zu werden, zerschlagen zu haben. Auf den Kapitalmärkten bestimmt immer mehr der Osten die Spielregeln.

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