Plan B
Fröhliche Weihnachten von Credit Suisse

Vor dem Lehman-Kollaps brüstete sich die Schweizer Bank noch mit ihren antizyklischen Expansionsplänen. Aber nachdem sie Verluste von bisher drei Milliarden Schweizer Franken im vierten Quartal hinnehmen musste, stehen nun Stellenstreichungen und Rückzug aus riskanten Investmentgeschäften auf dem Programm. Aber zumindest gibt es einen Plan B – für den die Bank auch Zahlen nennen kann.

Credit Suisse gehörte zu den letzten Verfechtern der Vorstellung, dass das Investmentbanking in Zukunft nur geringfügige Einbußen bei insgesamt weniger riskanten Geschäften als in den Jahren des Booms bringen werde. Jetzt nicht mehr. Die Schweizer Bank ist aufgewacht und muss erkennen, dass die Investmentbranche radikalere Lösungen braucht, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern. Geweckt wurde sie offensichtlich vom Schock, allein in den Monaten Oktober und November erneut 3 Milliarden Schweizer Franken verloren zu haben.

Die Reaktion der Bank zeigt Entschlossenheit. Die Hauptlast des für die kommenden Monate geplanten Stellenabbaus von 5.300 Jobs wird die Investmentsparte tragen müssen. Aus einigen Geschäftsfeldern wird sich CS ganz zurückziehen. Wen es am schlimmsten treffen wird, ist vorhersehbar: den stark risikobehafteten Eigenhandel und die Produktschmieden für komplexe Kreditkonstrukte. Noch bis in den Juli hielt CS an den Plänen fest, das Investmentbanking auszuweiten. Überraschend stiegen im Verlauf des vergangenen Jahres auch die Beschäftigtenzahlen in der Investmentbank. Die Strategie war bewusst und gut durchdacht; CS schaute dabei auch über den Tellerrand von Zürich hinaus.

Aber die antizyklische Expansionspolitik erwies sich schließlich als unhaltbar. In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 musste die Investmentindustrie erkennen, dass weder Anleger noch Aufsichtsbehörden in Zukunft bereit sein werden, wieder ähnlich hohe Risiken wie in der Vergangenheit zu tolerieren. Die hochriskanten Geschäfte sorgten während der Phase der billigen, reichlich sprudelnden Liquidität für hohe Ertragspolster bei den Banken. UBS, die heimische Credit-Suisse-Konkurrenz, hat ihre neue Investmentbankingstrategie bereits vorgestellt. Danach wird sie in Zukunft wohl darauf abzielen jedes Risiko zu vermeiden, anstatt zu versuchen, die Risiken zu managen. Auch der "Gewinner nach Punkten" JPMorgan hat beim Eigenhandel die Axt angesetzt.

Brady Dougan, Vorstandschef der Credit Suisse, war vielleicht in der kurzen Erholungsphase nach dem Zusammenbruch von Bear Stearns der Einzige, der prophezeite, dass dem Investmentbanking noch Schlimmeres bevorstehen könnte. Aber auch er wurde ganz offensichtlich mehrfach von den Ereignissen in diesem Jahr eingeholt. Die guten Ergebnisse im ersten Quartal wurden revidiert, nachdem sich herausstellte, dass Handelspositionen fehlbewertet wurden. Und auch die stolz präsentierten Gewinne im zweiten Quartal verblassten, nachdem im dritten Quartal wieder rote Zahlen bekanntgegeben werden mussten.

Für Investoren sind die Ankündigungen vom Donnerstag dennoch gute Neuigkeiten. Vielleicht zeigen sie ein Umschwenken auf Plan B, aber die Strategie ist dennoch durchdacht. Credit Suisse gibt an, dass der Investmentarm nach dem neuen Modell in diesem Jahr bereits 10,9 Milliarden Dollar eingenommen hätte und dass diese Größenordnung als Richtwert für die Zukunft gelten könne. Eine bemerkenswert transparente Aussage für die Investmentbranche. Hinzu kommt, dass die Kapitalbasis von Credit Suisse nach wie vor sehr gesund ist.

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