Politische Morde
Warum Investoren die Philippinen meiden

Die Philippinen sind in der Wirtschaftskrise glimpflich davongekommen, dank der Gelder, die im Ausland beschäftigte Filipinos nach Hause überweisen. Aber Vetternwirtschaft und schwache Regierungen sind schuld daran, dass das Land schon seit Jahrzehnten hinter seinem Wachstumspotenzial zurückbleibt. Das politisch motivierte Massaker vom vergangenen Montag liefert einen weiteren Grund, warum die so dringend benötigten Ausländer sich besser von den Philippinen fernhalten sollten.
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Die Taifune in der Finanzwelt, genauso wie auch die wetterbedingten, verschonten die Philippinen im Jahr 2009 weitgehend. Politische Unruhen könnten dagegen größeren Schaden anrichten. Das Massaker an mindestens 52 Menschen auf der südlichen Insel Mindanao erinnert auf tragische Weise daran, dass es nicht immer die Wirtschaft ist, die die politische Tagesordnung dominiert. Die Unruhen auf Mindanao werden sich zwar wahrscheinlich nicht auf das ganze Land ausdehnen, aber sie schwächen die ohnehin schon geringe Investitionsbereitschaft.

Verglichen mit den asiatischen Nachbarländern verlief die Krise auf den Philippinen glimpflich. Die traditionellen Exporte dürften 2009 zwar um insgesamt 17 Prozent fallen, aber die Überweisungen von im Ausland beschäftigten Filipinos, die mit 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, blieben auf hohem Niveau. Das legt die Vermutung nahe, dass die inoffizielle Strategie der Philippinen sowohl auf den Export von Menschen als auch von Gütern gerichtet ist. Die Weltbank erwartet für das laufende Jahr eine BIP-Wachstumsrate von 1,4 Prozent für die Philippinen.

Die ausländischen Investitionen sind allerdings auf beinahe Null zusammengeschrumpft. Portfolioinvestitionen erreichten in diesem Jahr nach Angaben von Macquarie Research lediglich ein Nettovolumen von 389 Millionen Dollar. In Indonesien waren die Zuflüsse doppelt so hoch und das, obwohl die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf den Philippinen nur halb so hoch sind. Die Ursachen hierfür liegen in der jahrzehntelangen Vetternwirtschaft und einer Reihe von schwachen Regierungen. Gemessen an der Wirtschaftsfreundlichkeit, die die Weltbank in ihrem "ease of doing business"-Ranking veröffentlicht, sind die Philippinen für 2010 um 3 Plätze zurückgerutscht.

Die Regierung versucht, für die lustlosen Investoren in die Bresche zu springen. Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo nimmt dafür wiederholt Haushaltsdefizite in Kauf. In diesem Jahr dürften es nach Angaben von Standard Chartered Bank 4 Prozent des BIP, also 6,8 Milliarden Dollar werden. 3,2 Milliarden Dollar wurden in diesem Jahr schon über Dollar-denominierte Anleihen aufgenommen - zwei weitere, abgebrochene Emissionsversuche zeigen jedoch, dass die Renditen unter Druck geraten.

Nach der Wahl im kommenden Mai wird vielleicht eine andere Regierung das Ruder übernehmen, eine wirtschaftliche Revolution ist aber auch in diesem Fall kaum zu erwarten. Reiche Filipinos zahlen wenig Steuern, das Verhältnis Steueraufkommen zu BIP gehört zu den niedrigsten in der Welt. Die Regierung zieht es vor, sich auf ihre Landsleute im Ausland und die internationalen Rentenmärkte zu verlassen. Da fällt es schon schwer, sich den Gedanken zu verkneifen: Ein Land, das vor fünfzig Jahren fast das gleiche Sozialprodukt pro Kopf wie Japan erwirtschaftet hat, verdient es nicht besser.

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