Populäre Sinnestäuschung
Wall Street: Die Blase ist geplatzt

Im Februar 1995 durchbrach der Dow Jones zum ersten Mal die Marke von 4 000 Punkten. Die Blase, die daraufhin an der Börse entstand, ist nun endgültig geplatzt.. Ein Ende der Talfahrt ist trotzdem noch nicht in Sicht. Angst und Schuldenabbau werden die Kurse weiter nach unten treiben.

Der S&P500-Index ist seit seinem Höchststand um 52 Prozent gefallen und damit so stark wie seit 1937 nicht mehr. Inzwischen hat der Markt alle Gewinne wieder abgegeben, die durch den monetären Stimulus von Alan Greenspan und seine konjunkturfreundliche Federal-Reserve-Politik entstanden waren.

Denken Sie zurück an den Februar 1995. In diesem Monat durchbrach der Dow Jones Industrial Average – der Börsenindex der führenden US-Unternehmen – zum ersten Mal die 4 000er-Grenze. Damals sagte Greenspan, er wolle, die "rotglühende Steigerungsrate des Wirtschaftswachstums" drosseln. Tatsächlich aber ging die Fed dazu über, ein zu schnelles Geldmengenwachstum zuzulassen.

Seitdem ist die Geldmenge in der breiten Definition der St. Louis Fed um 65 Prozent schneller gestiegen als das nominale BIP. Ohne diese Extramittel hätte das Wachstum des Dow-Jones-Index die Wirtschaft kaum übertreffen können.

Die Vorstellung, dass die Börse ein Spiegelbild der Wirtschaftsentwicklung ist, wurde zuletzt am 9 Juni vollkommen ad absurdum geführt, als der Dow die Marke von 12 280 Punkten überschritt. Breakingviews wies damals darauf hin, dass das angemessene Niveau bei 7 800 Punkten zu suchen sei. Heute, nach einem Quartal der Stagflation, dürften 7 900 Punkte eher zutreffen.

Nachdem der Dow am Donnerstag bei 7 552 Zählern schloss, sieht es so aus, als ob das eigentlich Absurde der Kursverlauf in den vergangenen 14 Jahren war. Die Hightech-Blase der 1990er spielte in diesem Drama der Maßlosigkeit nur eine Nebenrolle. Die größten Übertreibungen entstanden in dem Sektor, der durch die überschäumende Liquiditätsversorgung zu stark ausgebaut wurde: im Finanzsektor.

Der jüngste Kursrutsch bedeutet noch nicht das Ende der Geschichte. Die Anleger werden sich auf der Talfahrt genauso wenig von angemessenen Bewertungen beeindrucken lassen wie im Aufschwung. Im Gegenteil, der Einbruch der Wirtschaft erhöht nur die Dynamik, mit der die Schulden abgebaut werden und die Angst zunimmt.

Der brutale Wandel vom Finanzexzess zur Kreditkrise hat die Marktkapitalisation vieler Unternehmen bereits dezimiert. Die Kurse von Citigroup fielen allein am Donnerstag um 26 Prozent. Die Börse wird durch solche Einbrüche billig. Sie vertreiben aber auch jegliche Kaufbereitschaft.

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