Porsche/VW
Schlimm und schlimmer

Porsche scheint es sich nicht leisten zu können, Optionen auszuüben, die den Anteil des Sportwagenbauers am potenziellen Fusionspartner VW von 51 auf 71 Prozent nach oben hieven würden. Angesichts von Schulden über neun Mrd. Euro könnte Porsche einen wohl wollenden Partner gut gebrauchen. VW sieht wie der beste Kandidat dafür aus.
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Langsam lichtet sich der Nebel. Porsche mag sich zwar offiziell zu den genauen Einzelheiten seiner finanziellen Verfassung nicht äußern, während die Firma mit einer Schuldenlast über neun Mrd. Euro zu kämpfen hat. Doch was in jüngster Zeit durchgesickert ist, lässt darauf schließen, dass die Lage schlimmer sein könnte als bisher angenommen. Dies wiederum sollte die Verhandlungsposition von Volkswagen weiter stärken. Porsche hält 51 Prozent an dem Autobauer, der als möglicher Fusionspartner gilt.

Porsche hat zugegeben, vor drei Monaten eine Kreditlinie von VW erhalten zu haben. Das sieht ganz nach einem Anzeichen finanzieller Anspannung aus. Laut Presseberichten soll es sich dabei um etwa 700 Mill. Euro gehandelt haben. Zudem wurde bestätigt, dass die staatliche Kfw in der vergangenen Woche einen Antrag des Luxuswagenherstellers auf einen Kredit über 300 Mill. Euro zurückgewiesen hat. Darüber hinaus sucht Porsche im Nahen Osten nach wohl gesonnenen Investoren.

Gleichzeitig sitzt der Autohersteller auf Optionen, um sich noch einmal 20 Prozent der VW-Aktien zu sichern - aber ihm scheint das Geld zu fehlen, die Calls auch auszuüben. Auf dem Papier ergäbe sich zu den derzeitigen Marktbewertungen ein Gewinn von rund acht Mrd. Euro, wenn der Basispreis tatsächlich bei etwa 100 Euro je Aktie liegt, wie von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten schätzen. Aber ein direkter Verkauf der Optionen könnte den VW-Kurs zum Absturz bringen - und der Schuldenberg von Porsche würde dadurch nicht sonderlich kleiner werden.

Vielleicht muss sich Porsche ja noch einmal an VW wenden, um sich viel mehr als nur ein paar hundert Millionen Euro an Unterstützung zu sichern. Ferdinand Piech, der Aufsichtsratschef von VW und Vorstand eines der beiden zerstrittenen Familienzweige, die Porsche kontrollieren, hat seine eigene Lösung parat. Er hat vorgeschlagen, dass VW den Pkw-Bereich von Porsche übernimmt und dafür liquide Mittel über rund acht Mrd. Euro einsetzt. Die bittere Ironie daran ist, dass Porsche ein Auge auf genau diesen Geldberg geworfen hatte, aber aufgrund des Widerstands der Regierung von Niedersachsen, die bei VW eine Sperrminorität von 20 Prozent inne hat, an diese Mittel nicht herankommt.

Aber auch mit der Idee Piechs wäre die Misere bei Porsche noch nicht vorüber. Da die Pkw-Auslieferungen in den vergangenen sechs Monaten um 27 Prozent gesunken sind, würde Piech sicher hart verhandeln, wenn es darum geht, den Bereich zu bewerten.

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