Kolumnen
Post-Posse

Axel Springer könnte zum Opfer des Mindestlohns für Briefträger werden, auf den sich die Regierung gerade geeinigt hat. Die Entscheidung wird es dem deutschen Verleger schwer machen, sich von seiner Tochter PIN AG zu trennen. Ohne konkurrenzfähige Löhne werden potenzielle Konkurrenten der Deutschen Post sich den Markteintritt noch einmal überlegen.

Deutschland ist auf dem besten Weg, Wettbewerb aus dem Weg zu regulieren. Die zum Neujahrsbeginn geplante Liberalisierung des deutschen Postsektors wird durch das Vorhaben der Regierung gefährdet, der Branche starre Mindestlöhne zu verordnen – der Wettbewerb mit der mächtigen Deutschen Post wird dadurch für Neueinsteiger auf dem Markt erheblich erschwert. Der deutsche Verleger Axel Springer könnte zum Verlierer des neuen Gesetzes werden.

Springers Postprojekt wirkt fast wie eine Posse. Vor sechs Monaten investierte der Verleger 510 Millionen Euro in die Aufstockung seiner Anteile am Postdienstleister PIN. Der Zukauf entstand aus der Hoffnung, das Postgeschäft könnte irgendwann einmal ein Drittel zu den Gesamtumsätzen beitragen. Allerdings machte der hohe Investitionsbedarf die Akquisition im Gesamtkonzern nicht gerade beliebt. Der mögliche Verkauf eines Teils der PIN-Aktien an den holländischen Konkurrenten TNT ist durch das deutsche Lohngesetz aber jetzt in weite Ferne gerückt.

Mit einem geschätzten Marktanteil von 90 Prozent dominiert die Deutsche Post den Markt für Postdienstleistungen in Deutschland. Das geplante neue Mindestlohngesetz zwingt Konkurrenten ihre Stundenlöhne um bis zu ein Drittel anzuheben. Der Wettbewerb mit der früher staatseigenen Post, an der die öffentliche Hand noch immer mit 33% beteiligt ist, wird dadurch deutlich erschwert.

Ein hartes Los für das Deutschlandgeschäft der nächsten Konkurrenten Springer und TNT. Selbst das Gewicht der beiden Gruppen zusammen würde nicht ausreichen, um die höheren Löhne zu kompensieren. Die Folge, die Mindestlöhne könnten den aufkeimenden Wettbewerb gleich wieder ruhig stellen.

Axel Springer prüft nun ganz offen alle Möglichkeiten seiner PIN-Investition. Wenn die deutsche Regierung ihre Pläne nicht überdenkt, wird die Gruppe erhebliche Verluste bei ihrer Beteiligung, die einen Gesamtwert von 760 Millionen Euro haben dürfte, hinnehmen müssen. TNT hat inzwischen bei der niederländischen Regierung darum gebeten, die zur gleichen Zeit geplante Öffnung des holländischen Postsektors zu verschieben.

Die Moral aus der Geschichte der ehemaligen Staatsmonopole: Regierungen geben ihre engen Beziehungen nicht einfach auf, bloß weil sich das Aktionärsverzeichnis ändert. Die Möchtegern-Konkurrenz muss lernen aus dem politischen Kaffeesatz zu lesen.

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