Prioritäten in Schieflage: Lyondell hätt es besser machen können

Prioritäten in Schieflage
Lyondell hätt es besser machen können

Apollo und Cerberus schärfen in Sachen Lyondell-Bankrott ihre Krallen. Schon immer wirkte die im Rahmen der insolvenzrechtlichen Eigenverwaltung betreute acht-Milliarden-Schuldenlast des Chemiegiganten immens. Doch jetzt stellt sich auch noch heraus, dass Teile der Summe aus umbenannten Altschulden – keineswegs neuem Geld – bestehen.

Die ausgedörrten Finanzmärkte erschwerten Lyondell das Aufbringen der nötigen Gelder, um das Unternehmen während es Insolvenzverfahrens am Laufen zu halten. Also wandte sich der Konzern mit der Bitte um neuerliche Darlehen an einige seiner bestehenden Kreditgeber. Im Gegenzug bot das Unternehmen an, Schulden aus der Zeit vor dem Bankrott in das neue Finanzierungspaket aufzunehmen. Weil aber während Insolvenzverfahren gewährte Kredite zuerst zurückgezahlt werden, erhalten einige handverlesene Gläubiger nun den Vorzug vor anderen Geldgebern aus der Insolvenzphase.

Damit genießen die begünstigten Investoren, allen voran Apollo und Cerberus, potentiell signifikante Vorteile. Im letzten Jahr hatten sie Lyondell-Papiere zum Vorzugspreis gekauft. Sogenannte DIP-Finanzierungen (debtor in possession financing) sind zwar keine sichere Bank, genießen aber eine Vorzugsbehandlung und werden meist voll erstattet. Nun scheinen beide Firmen nach dem Aufpeppen der Kapitalstruktur gutes Geld zu machen.

Gläubiger, denen sich diese Chance nicht bot, sind erzürnt. Laut Bloomberg kündigte die Bank of America in einem Brief an einen US-Insolvenzrichter an, im Namen einer Obligationärsgruppe den Darlehensvertrag zu prüfen. Noch ist unklar, ob sich das Insolvenzgericht darauf einlässt, seine Zustimmung zum ursprünglichen DIP-Finanzierungsabkommen zu überdenken.

Lyondell hätte es besser machen können. Die Firma hätte allen Kreditoren eine Art Vorzugsaktien-Option anbieten können. Lyondell hat 26 Mrd. Dollar Schulden. Angenommen, man hätte fünf Mrd. Dollar neue Liquiditäten gebraucht und dafür die DIP auf acht Mrd. erhöht. Dann hätte sie jedem Kreditgeber anbieten können, ungefähr zwei Dollar neues Geld für zehn Dollar des alten Geldes zu geben und etwas mehr als einen Dollar des alten Geldes als Gegenleistung in die Kapitaldecke zu stecken. Schwierig umzusetzen, doch damit hätte man die Gläubiger auf seiner Seite gehabt.

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