Private Equity IPOs
Zu viel und zu früh?

Erstemissionen von Firmen, die durch Beteiligungsgesellschaften gestützt werden, sind jüngst vom Markt nicht gerade begeistert aufgenommen worden. Jetzt will Blackstone den IPO von Travelport über zwei Mrd. Dollar über die Bühne bringen. Die Investoren sind zu Recht wählerisch. Doch für die Erträge der Private Equity-Firmen verheißt ihre Skepsis nichts Gutes. Denn große Buyouts sind auf erfolgreiche IPOs angewiesen, um Geld zu verdienen.
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Die Investoren scheinen die Exits von Private Equity-Firmen schon nicht mehr richtig verdauen zu können. In diesem Jahr gingen sechs von 16 US-Erstemissionen, die von Buyout-Firmen gestützt wurden, im Preis unter der erwarteten Angebotsspanne über die Bühne - die Hälfte davon im Dezember, geht aus Daten von Thomson Reuters hervor. Jetzt startet Blackstone den zwei Mrd. Dollar schweren IPO von Travelport. Und die Investoren zeigen sich wählerisch. Das verheißt nichts Gutes für die Erträge der Beteiligungsgesellschaften, denn große Buyouts sind auf erfolgreiche Erstemissionen angewiesen, um Geld zu verdienen.

Nicht alle IPOs aus dem Private Equity-Umfeld haben einen derart lauwarmen Empfang verdient. Aber die Anleger haben Recht, wenn sie vorsichtig vorgehen. Einige Unternehmen, die zuvor im Besitz von Beteiligungsgesellschaften waren, sind mit einer höheren Schuldenlast beladen als ihre börsennotierten Branchenkollegen. Sie müssen überschüssige Barmittel vielleicht für die Rückzahlung von Schulden einsetzen anstatt sie in ihre Geschäfte zu investieren. Oft werden IPO-Erlöse auch zum Abbau des Fremdkapitalanteils hergenommen. Aktieninvestoren ziehen es dagegen im Allgemeinen vor, wenn ihr Geld für Investitionen genutzt wird.

Gerechterweise muss man sagen, dass die Lage im kommenden Jahr positiver aussehen könnte. Was die weniger erfolgreichen Deals im Dezember angeht, so ist es möglich, dass einige Anleger ihre Bücher für dieses Jahr effektiv bereits geschlossen hatten. Sie werden ab Januar wieder mitmischen. Und die US-Märkte sind schließlich auch nicht die einzige Option. Firmen im Besitz von Private Equity-Unternehmen, die eine Erstemission planen, können - wie Travelport - auch die europäischen Märkte anzapfen.

Trotzdem ist jedes Nachlassen im Anlegerinteresse an US-Erstemissionen negativ für die Firmen der Beteiligungsbranche. Sie hängen von rentablen Exits ab, um die Renditen abliefern zu können, die ihre Investoren erwarten. Das trifft besonders auf die Mega-Buyouts in einem Volumen von mehr als zehn Mrd. Dollar zu, die 2006 und 2007 vorgenommen worden waren. Aufgrund der Größe der betroffenen Unternehmen sind sie nicht so einfach an eine andere Buyout-Firma oder an einen strategischen Käufer zu veräußern. Ein IPO kann die einzige Chance auf einen annehmbaren Gewinn darstellen.

Darüber hinaus sind die Buyout-Firmen darauf angewiesen, dass ihre größten Deals gut verlaufen. Bei einigen Investitionen gehen sie zwar von einem Scheitern aus. Aber wenn ein großer Abschluss keinen Gewinn abwirft, so lässt sich dies nur unter großen Schwierigkeiten durch kleinere Erfolge an anderer Stelle ausgleichen. Wenn die Investoren ihren Geschmack an von Beteiligungsgesellschaften gestützten Erstemissionen nicht wieder finden, könnten sich die Buyout-Barone im kommenden Jahr schwierigen Zeiten ausgesetzt sehen.

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