Privatkapital-Börsengänge
Aktien sind die neuen Anleihen

Banker hoffen, dass die diesjährige Aktienrally Privatkapital-Beteiligungsfirmen dazu verleiten wird, ihre Portfoliounternehmen an die Börse zu bringen. Banken dürften sich an den Gebühren satt essen, doch die Börsengänge könnten nicht so gut funktionieren, wie es die fremdfinanzierten Aufkäufer erwarten.
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Banker, die in den letzten Jahre noch Unternehmen mit Schulden vollstopften, hoffen nun darauf, etwas davon abfließen zu lassen. Sogar Beratungsunternehmen wie Lazard, die gerade den früheren Goldman-Sachs-Aktienkapitalmarktguru Thomas Tuft anheuerten, wollen Kassen machen mit dem neuen Trend zum Börsengang. Die Banker könnten am Ende dabei besser fahren als ihre Klienten.

Die Erholung der Aktienmärkte in den USA und Europa von ihren Tiefständen im März sorgte dafür, dass Aufkäufer und Privatinvestoren Schlange stehen, um ihre Portfoliounternehmen an die Börse zu bringen. Einige Firmen wie Hyatt und Dole Food starteten kürzlich mit entsprechenden Plänen, während eine Reihe anderer Unternehmen, darunter HCA, First Data und Dollar General in den USA und TDC in Europa, ähnliche Transaktionen noch hastig zusammenschustern.

Die Rally gibt Investoren wie der Pritzker-Familie bei Hyatt und dem Dole-Eigentümer David Murdock die Möglichkeit, etwas Liquidität aus ihren Anlagen herauszuholen. Ganz ähnlich ist es bei Aufkäufern, die diese und andere Firmen stützten. Sie wollen unruhig gewordene Partner gerne mit Bargeld auszahlen, was bedeutet, dass sie einen Teil ihrer existierenden Aktien bei der ersten Gelegenheit verkaufen könnten.

Außerdem möchten Firmen wie der Südfrüchteverkäufer Dole und seine noch stärker fremdfinanzierten Schicksalsgenossen an Bargeld kommen, um einen Teil ihre Schulden zurückzuzahlen. Die im letzten Aufschwung getätigten fremdfinanzierten Firmenaufkäufe gehen mit Krediten von etwa 450 Milliarden US-Dollar einher, die zwischen 2011 und 2015 fällig werden, behauptet Leveraged Commentary and Data, eine Sparte von Standard & Poor's. Viele der Schuldner verhandeln Kredite neu, doch in einigen Fällen wird dies ihre Probleme nur verschieben.

Allein bei den Börsengängen von Hyatt und Dole könnten Gebühren von etwa 115 Millionen US-Dollar anfallen. Das ist ein gern gesehener Anreiz für die Emissionsbanken, zu denen Deutsche Bank, Goldman Sachs, JPMorgan und andere gehören. Das wirkliche Kunststück wird aber sein, für die Klienten attraktive Bewertungen herauszuholen.

Existierende Aktionäre auszuzahlen und Schulden zu reduzieren, sind aus Investorensicht zwei der unbeliebtesten Gewinnverwendungsmöglichkeiten. Keines von beidem finanziert das Wachstum eines Unternehmens. Die Kapitalaufnahme zur Rückzahlung von Schulden reduziert eher die Steuerbegünstigungen einer Firma und erhöht ihre durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten, obwohl dies sinnvoll sein kann, wenn es auch das Kreditrisiko senkt oder die Verbindlichkeiten deutlich teurer werden.

Wer nicht zu belastet ist mit Refinanzierungssorgen und ordentliche Wachstumsmöglichkeiten hat, wie beispielsweise der Halbleiterproduzent Avago, den Kohlberg Kravis Roberts Anfang August erfolgreich an die Börse brachte, könnte noch immer gut abschneiden. Für andere Verkäufer aber wird sich der Schwung an den Aktienmärkten nicht unbedingt in hohe Bewertungen ihrer Portfoliounternehmen umsetzen lassen.

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