Problematische Pensionspläne
British Airways: Die Zahl deiner Wahl

Qantas und Iberia, die sich beide um BA bemühen, stöhnen über das Pensionsdefizit der britischen Fluggesellschaft. Die Angelegenheit ist komplex, aber dennoch sollten alle beteiligten Parteien übereinkommen können, wie man das Problem in messbaren Größen darstellen kann. Bei den "weicheren" Themen, insbesondere bei der Unternehmensführung, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wird da schon schwieriger.

Willie Walsh wird sein größtes Schreckgespenst einfach nicht los: das Pensionsdefizit von British Airways (BA). Nachdem er 2006 den Chefsessel von BA erklommen hatte, machte Walsh die üppigen Ruhestandsversprechen der Fluggesellschaft zu seiner obersten Priorität. Er hatte denn auch schnell ein Zehnjahresabkommen mit den Gewerkschaften des Carriers und den Vertretern der Pensionskassen erzielt, das eine Aufstockung um 850 Mill. Pfund Sterling, verminderte Leistungen und jährliche Zuschüsse von 280 Mill. Pfund enthielt. Kurz gesagt, das Programm wurde damit wieder ins Lot gebracht.

Doch die Kursverluste an den Börsen haben nun wieder ein frisches Loch von 1,7 Mrd. Pfund gerissen, was in etwa der Marktkapitalisierung von BA entspricht. Kein Wunder, dass die an der britischen Gesellschaft interessierten Qantas und Iberia sich Sorgen darüber machen, für die Pensionszusagen von BA gerade stehen zu müssen, wenn sie den Bund mit den Briten eingehen.

Dem Fehlbetrag beizukommen, erweist sich als wirklich komplex. Die Herausforderung lässt sich in zwei Teile aufgliedern. Zunächst einmal geht es darum, den Verbindlichkeiten einen Wert beizumessen und eine langfristige Strategie zu entwickeln, sie zu bedienen, ohne dabei das operative Geschäft von BA abzuwürgen, von dem das Altersversorgungsprogramm abhängt. Und zweitens gilt es gegen alle Widerstände eine Einigung mit den Mitarbeitern und den Treuhändern des Pensionsprogramms herbeizuführen.

Der Pensionsplan wird alle drei Jahre auf den Prüfstand gestellt. Die nächste Verhandlungsrunde beginnt im März 2009 und wird mindestens bis zum Jahresende dauern. Eine jegliche Änderung der Beitragsverpflichtungen von BA wird von den vorherrschenden Annahmen über die künftige Zinsentwicklung, die Lebensdauer der Mitglieder und die Bewertungen der Vermögenswerte abhängen, und davon, wie viel BA zahlen kann, ohne ihre eigene finanzielle Lage zu schwächen.

Warum sollten Qantas und Iberia glücklich darüber sein, ein solches Problem zu erben? Ein Grund wäre, dass es Wege gibt, das Risiko zu mindern. Iberia könnte ihren eigenen Geldberg aus der fortlaufenden Beitragsverpflichtung ausklammern. Außerdem gibt es eine schon recht ausgereifte Branche für die Versicherung von Pensionsverpflichtungen: Damit steht ein Marktmechanismus bereit, um die Kosten für die Verminderung der Risiken zu bewerten, wodurch ein objektiver Ausgangspunkt für die Verhandlungen geschaffen würde. Und schließlich könnte das sich verschlechternde Wirtschaftsklima dazu beitragen, dass sich bei den Pensionstreuhändern eine realistischere Einschätzung darüber durchsetzt, wie riskant es wäre, die Gans zu schlachten, die die goldenen Eier legt.

Vielleicht besteht das schlimmste Ergebnis für BA auch darin, dass die Fluggesellschaft für eine längere Zeit leicht höhere Beiträge zu entrichten hat. Auf jeden Fall ist das Auseinanderdividieren des Pensionsfonds eher eine mathematische Aufgabe. Es könnte viel schwieriger werden, bei angeblich "weicheren" Themen wie der Unternehmensführung auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Caja Madrid, die größte Aktionärin von Iberia, ist fest in der Hand der Politiker in Madrid. Und bei beiden möglichen Abschlüssen muss mit Kontroversen um die Zusammensetzung des Verwaltungsrats gerechnet werden. Die Pensionen sind eine Sache, aber sie könnten auch nur als Deckmäntelchen dienen für den eigentlichen Knackpunkt bei jedem BA-Deal: für die Politik.

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