Problembank
Kann Onkel Sam zum Citi-Aktionär werden?

Die Regierung scheint ihren Plänen hinterherzuhinken, sich Smith Barneys zu entledigen und den Verwaltungsratschef der problembeladenen Bank durch einen Obama-Mann zu ersetzen. Bis jetzt stimmen die Interessen der Aktionäre und der US-Regierung noch überein. Es besteht allerdings die Gefahr, dass der Staat im Wunsch sein 45-Milliarden-Dollar-Investment zu schützen, über das Ziel hinausschießt.

Es sieht ganz danach aus, als könne Onkel Sam gelingen, was die leidgeprüften Citigroup-Aktionäre schon lange vergeblich versuchten: eine Aufspaltung der problembeladenen Megabank. Citi wird sich wahrscheinlich von Smith Barney trennen und vielleicht auch den Chef der Bank durch einen Obama-Mann ersetzen - beide Schritte scheinen auf Druck der Regulierungsbehörden und der Regierung nähergerückt zu sein. Das ist ein ganz ordentliches Tempo, wenn man berücksichtigt, dass es erst wenige Monate her ist, dass der Staat 45 Milliarden Dollar an Steuergeldern in die Bank investierte und rund 15 Prozent ihrer Vermögenswerte garantierte. Aber können die USA wirklich zu einem aktiven und effektiven Aktionär werden?

Bis jetzt dürfte es kaum Streitpunkte geben: beide Ansätze liegen sowohl im Interesse der Regierung als auch der Altaktionäre. Citis Expansionsstrategie hat sich schon seit langem als kaum noch zu managen erwiesen. Mit der Abspaltung des Brokerhauses in ein Joint Venture mit Morgan Stanley bliebe dem Bankenvorstand mehr Zeit, sich auf die verbleibenden Sparten zu konzentrieren. Bei einem Anteil von 49 Prozent geht Citi damit auch nicht allzu viel Geschäft verloren. Und auch wenn das Brokergeschäft nicht das kapitalintensivste ist, könnte Citi durch die Abgabe der Kontrolle doch Kapitalreserven loseisen.

Auch der Austausch von Citigroup-Chairman Win Bischoff scheint vernünftig. Wo auch immer seine Stärken liegen, der frühere Schroders-Chef hat sich in seiner Rolle nicht besonders hervorgetan. Nach der Trennung von Bob Rubin in der vergangenen Woche würde sein Fortgang zudem bedeuten, dass in der Führungsetage auch die letzten Verbindungen zu den Fehlern der alten Citi-Ära gekappt wären.

Sein Nachfolger wird voraussichtlich Richard Parsons, der ebenfalls im Verwaltungsrat der Bank sitzt. Zwar war auch er an der Spitze von Time Warner verantwortlich für ein schlecht laufendes Konglomerat, das sein Nachfolger jetzt demontiert. Aber der frühere Chef einer Privatbank steht in der Gunst des zukünftigen Präsidenten Barack Obama, was ihn zum geeigneten Mann am Ruder macht. Und die Aufsichtsbehörden dürften Gefallen daran finden, einen Einheimischen an der Spitze der Bank zu sehen.

Aber die Interessen des amerikanischen Staats dürften nicht immer so nahtlos mit den Aktionärsinteressen übereinstimmen. Wenn Onkel Sam sein Investment schützen und den Wählern zeigen will, wie aktiv er eingreift, besteht immer die Gefahr, dass er über das Ziel hinausschießt - zum Beispiel, indem er Citi dazu zwingt Kredite im Rahmen des Stützungsprogramms Tarp-zu vergeben, egal um welchen Preis. Citi hat schon einmal einen Rückzieher gemacht, als die Bank im Interesse ihrer Investoren einer Kongressvorlage die Unterstützung versagte, nach der Insolvenz-Richter die Möglichkeit erhalten sollten, Hypothekenkredite anzupassen - ein Schritt, durch den private Immobilienkredite sehr viel teurer hätten werden können.

Citi braucht die Unterstützung der Regierung, aber die Aktionäre sollten sich darüber im Klaren sein, dass damit vielleicht zu viele Bedingungen verknüpft sind.

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