Prognose
Der Ausblick ist düster, nicht hoffnungslos

Die Welt steckt in der Rezession, Banken funktionieren nicht, und Ungleichgewichte müssen korrigiert werden. Es könnte zwei Jahre dauern, um die Ordnung wiederherzustellen. Das Wachstum sollte bis 2011 wiederkehren, solange Inflation und Deflation in Schach gehalten werden. Unterdessen beginnen die Kurse von Vermögenswerten, realistischer auszusehen.

Am Ende des Jahres 2007 waren die meisten Prognostiker viel zu optimistisch. Sie verdienen jedoch etwas Mitleid, denn es war schwer vorauszusehen, wie schlimm die Kreditklemme am Ende werden würde. Rückblickend erreichte die wirtschaftliche Aktivität in den USA nach Angaben des National Bureau of Economic Research just zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt. Ein Jahr später, nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems und in der frühen Phase einer Rezession, ist es leicht und richtig, Trübsal zu blasen. Im besten Fall wird 2009 schwer werden für die Wirtschaft, wohl auch für die meisten Finanzmärkte.

Zentralbanken und Regierungen stellen zwar reichlich Bargeld und extrem billige Kredite zur Verfügung. Doch das Finanzsystem funktioniert noch immer nicht. Die Banken kämpfen in den meisten Ländern mit Verlusten und halten sich mit Krediten zurück, während Kredite scheuende Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben kürzen.

Consensus Economics erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA 2009 um 1,6 Prozent zurückgeht, doch das klingt noch immer zu optimistisch. Das Wechselspiel zwischen Banken, die Fremdfinanzierungen abbauen, und dem Schrumpfkurs der Wirtschaft in den USA und anderswo wird noch mehr üble Effekte nach sich ziehen, als Ökonomen typischerweise zugeben wollen.

Selbst wenn Regierungen sich sofort dazu entschließen, Banken zum Verleihen zu zwingen, wird es mindestens sechs Monate dauern, bis die Kreditklemme sich für Ausleiher spürbar gelockert hat. Ein Jahr oder mehr mit anhaltender Knappheit ist wahrscheinlicher. Bis dahin werden die Banken wackliger sein, die Arbeitslosigkeit wird steigen, der internationale Handel wird zurückgehen und das Vertrauen wird zerschmettert sein. Ein Wachstumsstart wird wohl noch zwei oder drei weitere Quartale auf sich warten lassen.

Dann gibt es auch noch die globalen Ungleichgewichte, die abgebaut werden müssen. Das große Handelsbilanzdefizit der USA und die korrespondierenden Überschüsse in China und Japan haben geholfen, die Kreditblase aufzublähen. Eine US-Rezession sollte dazu beitragen, das Gleichgewicht wiederherzustellen, nicht jedoch bevor die US-Importnachfrage am Boden zerstört ist.

Alles in allem sieht es so aus, als werde das US-Bruttoinlandsprodukt innerhalb der nächsten zwei Jahre um vier Prozent sinken, mit kleineren Rückgängen in anderen reichen Ländern. Eine Erholung könnte 2010 beginnen, wahrscheinlicher ist aber wohl 2011.

Diese Prognose mag düsterer sein als die meisten anderen, doch eigentlich ist sie in moderatem Grau gehalten. Ein wirklich dunkles Bild würde sich entwickeln, wenn die Verantwortungsträger erlahmen oder versagen. Nach einem oder zwei exzessiven Jahrzehnten ist der Weg zur Erholung schwierig. Das System mit Geld zu fluten, ist derzeit der richtige Ansatz, damit sollte die Deflation in Schach gehalten werden. Doch wenn die Erholung beginnt, werden die Verantwortlichen bereit sein müssen, den Märkten Mittel zu entziehen, um die Inflation unter Kontrolle zu halten.

Es gibt auch die Möglichkeit einer altmodischen Zahlungsbilanzkrise in einer großen Volkswirtschaft wie etwa Großbritannien oder - das sollte man flüstern - in den USA. Dies könnte eine länger andauernde globale Wirtschaftskrise auslösen.

Wenn man annimmt, dass dies nicht passiert und die Regierungen in vernünftiger Alarmbereitschaft bleiben, sollten die Preise von Vermögenswerten ihren Boden erreichen, bevor klare Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung sichtbar werden. Sie sind stark gefallen, weil Kredite rar wurden und die wirtschaftlichen Aussichten sich verschlechterten. Die zweite Hälfte des Jahres 2008 war schlimm für Aktien, Unternehmensanleihen, Immobilien und Rohstoffe.

Doch ein Wort der Vorsicht ist angebracht: Die Preise waren so hoch gestiegen, dass der Weg nach unten weit war. Schnäppchen sind noch immer selten. Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind die Preise für Vermögenswerte aber so günstig, das geduldige Anleger damit gut fahren könnten. Aktien, die in gewissem Ausmaß vor der Inflation geschützt sind, sehen besonders gut aus, Staatsanleihen, die derzeit sehr beliebt sind, sehen besonders schlecht aus.

Auf einen guten Ertrag könnte man dennoch lange warten müssen. Die Kurse werden kaum nach oben gehen und dort bleiben, bevor die Kreditkontraktion nicht aufgehört hat und das Wirtschaftswachstum wieder beginnt. Es könnte also vor dem Jahr 2011 noch viele Kaufgelegenheiten geben, die genauso gut oder besser sind als die heutigen.

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