P&G/Folgers
Weckruf ohne Koffein und Steuern

Procter & Gamble verkauft ihre Kaffee-Marke Folgers für 3,3 Mrd. Dollar an JM Smucker. Die Transaktion war erwartet worden und sollte eigentlich niemanden vom Hocker reißen. Aber der Deal ist derart steuergünstig gestaltet, dass die Investoren die Marktkapitalisierung des Konsumgüter-Riesen gleich um drei Mrd. Dollar in die Höhe getrieben haben.
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Wer braucht Koffein, um wach zu werden? Ganz sicher nicht die Aktionäre von Procter und Gamble (P&G). Es war zwar seit langem erwartet worden, dass der Verbrauchsgütergigant seinen Kaffeebereich Folgers verkauft. Aber die Transaktion war derart steuergünstig gestaltet, dass sie bei den P&G-Aktien am Mittwoch ein regelrechtes Kursfeuerwerk entfachte.

P&G hatte Folgers 1963 gekauft. Nachdem der Konsumgüterriese über einen solch langen Zeitraum im Besitz des Unternehmens war, hätte ein direkter Verkauf wahrscheinlich eine heftige Steuerbelastung mit sich gebracht. Um den Wert von Folgers zu maximieren, hätte P&G den Bereich zu einem enorm hohen Preis verkaufen müssen. Vor einem Jahr, als die Kredite für fremdfinanzierte Übernahmen billig und in Hülle und Fülle vorhanden waren, wäre dies vielleicht möglich gewesen. Jetzt nicht mehr.

Und hier kommt ein Konstrukt ins Spiel, das als "Reverse Morris Trust" bekannt ist: Es erlaubt P&G und seinen Aktionären, bei der Entflechtung von Folgers jegliche Kapitalgewinnsteuern zu umgehen. P&G wird Folgers abspalten und den Bereich gleichzeitig mit Smucker fusionieren. Die Aktionäre von P&G werden dann an dem neuen Unternehmen mit 53,5 Prozent beteiligt. Smucker wächst auf fast das Doppelte.

Um den Aspekt der Steuerfreiheit der Transaktion aufrecht zu erhalten, ist es Ausschlag gebend, dass die P&G-Aktionäre die Mehrheit halten. Und um sicher zu stellen, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird, mindert Smucker im Wesentlichen vor dem Abschluss des Deals seinen eigenen Wert, indem die Firma ihren Aktionären eine Sonderdividende von fünf Dollar je Aktie zahlt.

Jetzt muss auch niemand mehr über den Preis ins Staunen geraten. Das implizierte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), das von Folgers beigesteuert wird, beläuft sich auf etwa 390 Mill. Dollar. Damit wird der Kauf mit rund dem 8,5fachen des Ebitda bewertet und liegt damit vielleicht leicht hinter Konkurrenten wie Campbell Soup. Um allerdings den Aktionären über einen direkten Verkauf eine vergleichbare Rendite nach Steuern zu verschaffen, hätte der Preis bei fünf Mrd. Dollar liegen müssen.

Diese Nuance scheint auch den P&G-Aktionären nicht entgangen zu sein: Nach der Bekanntgabe der Transaktion haben sie die Marktkapitalisierung des Unternehmens um mehr als drei Mrd. Dollar hochgetrieben. Nicht schlecht für einen Deal, der so ganz ohne Koffein auskommt.

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