Qantas
Geld geschenkt

Die Fluggesellschaften können mit ihren Bonusprogrammen mehr Geld verdienen als mit dem eigentlichen Flugbetrieb. Das mag erklären, warum Qantas eine Erstemission ihres Vielfliegerprogramms plant. Aber diese Geschäftsbereiche auszugliedern, birgt Risiken. Und der Zeitpunkt für einen Verkauf ist auch nicht gerade ideal.

Zu einem Zeitpunkt, zu dem hohe Rohölpreise die Rentabilität der Fluggesellschaften zu vernichten drohen, scheinen Vielfliegerprogramme einen Hoffnungsschimmer zu bieten. Kein Wunder, dass die australische Airline Qantas über eine Erstemission ihres "Frequent Flyer"-Programms nachdenkt. Andere Carrier könnten ihr nachfolgen.

Den Vielfliegerprogrammen liegt ein großartiges Geschäftsmodell zu Grunde. Die Programme verkaufen "Flugmeilen" an Partner wie etwa Kreditkartengesellschaften, die diese wiederum glücklichen Kunden als Prämien aushändigen. Das Programm macht die Meilen wett, indem sie der Fluggesellschaft sonst nicht nachgefragte Sitze zu einem niedrigen Preis abkauft. Das Geschäft bedarf eines geringen Kapitaleinsatzes, generiert aber hohe Betriebsgewinnspannen. Als Bonus gibt es die Kundenliste obendrauf, ein gefundenes Fressen für die Marketing-Abteilung, denn die Nutzer sind meist gut verdienende Geschäftsleute.

Qantas hat ihre Gründe, die Erstemission gerade jetzt in Betracht zu ziehen. Seit über einem Jahr spielt sie schon mit der Idee, nachdem eine Übernahme-Offerte über elf Mrd. austrDollar für die Airline zurückgezogen worden war. Qantas braucht zudem Bares für ihre umfangreichen Investitionspläne. Analysten schätzen, dass der Plan etwa zwei Mrd. bis 2,5 Mrd. austr. Dollar wert sein könnte, was fast der Hälfte des eigenen Marktwerts der Fluggesellschaft entspricht.

Warum also ist Qantas der erste Carrier, der in aller Öffentlichkeit darüber nachdenkt, dem Beispiel von Air Canada zu folgen, die ihre Aeroplan 2005 an die Börse gebracht hatte? Weil die Ausgliederung eines solch maßgeblichen Marketing-Werkzeugs auch Risiken in sich birgt. Der Saldo im Kerngeschäft könnte viel schlechter aussehen, wenn man die von hohen Margen gekennzeichneten Vielfliegerprogramme herausnimmt - besonders in diesem Jahr, in dem sich die meisten Fluggesellschaften einem happigen Verlust gegenübersehen.

Es lässt sich zudem darüber streiten, ob eine Ausgliederung wirklich dazu beiträgt, für das Kerngeschäft in großem Stil Werte zu schaffen. Die Marktkapitalisierung von Aeroplan beläuft sich jetzt auf 3,5 Mrd. kan. Dollar - das ist das Vierfache des Werts von Air Canada, deren Aktien eklatant hinter dem eigenen Frequent Flier-Bereich herhinken.

Qantas mag noch so sehr wünschen, an das Geld ihres Vielfliegerprogramms heranzukommen, aber die Marktbedingungen sind für eine Erstemission denkbar ungünstig. Aeroplan selbst hat in den vergangenen sechs Monaten fast 30 Prozent ihres Marktwerts eingebüßt. Die Ankündigung von Qantas fällt in eine Zeit, während der die Fluggesellschaft Stellen abbaut und angesichts der Schwindel erregenden Treibstoffkosten Kapazitäten kürzt. Vor diesem Hintergrund würde eine Erstemission eher nach einer Verzweiflungstat als nach einem klugen Schritt aussehen.

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