Quartalszahlen Deutsche Bank
Deutsche Überraschungen

Die Deutsche Bank gab ihre Ergebnisse für das 3. Quartal vorzeitig bekannt. Auf den ersten Blick sind die Zahlen überzeugend, bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass sie durch unerwartete Steuergewinne geschönt sind. Am Markt sorgte das für Stirnrunzeln, weil die Anleger mit einer Kapitalerhöhung rechnen.
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In der amerikanischen Politik haben Oktoberüberraschungen oft etwas Zerstörerisches. Vielleicht gilt das auch für deutsche Banken. Die Deutsche veröffentlichte ihr Drittquartalsergebnis eine Woche früher als erwartet. Die Zahlen sind solide, wenn auch nicht gerade spektakulär. Dennoch fielen die Aktien der Bank nach Bekanntgabe um vier Prozent und damit deutlich stärker als der breite Markt.

Wenn die Investoren enttäuscht waren, dann lag das vielleicht daran, dass der angekündigte Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro nicht höher ausfiel als erwartet. Es stimmt zwar, dass nach Angaben der Bank alle Geschäftsfelder positiv abschließen konnten - was insbesondere für die angeschlagene Vermögensverwaltungssparte bemerkenswert ist. Aber nach den erfreulichen Überraschungen bei den Konkurrenten Goldman Sachs und JPMorgan haben die Anleger vielleicht etwas mehr erwartet.

Es sieht ganz danach aus, als ob die Deutsche nicht umhin konnte, ihr Ergebnis schon vorzeitig bekannt zu geben, nachdem sie selbst eine Überraschung erlebte. Steuergutschriften aus steuerbefreiten Transaktionen und nach Abschlussprüfung älter Konten erhöhten den Nettogewinn auf 1,4 Milliarden Euro - rund 75 Prozent mehr als nach der Consensusschätzung der Analysten. Die Bank musste also Missverständnissen vorbeugen.

Aber mit dieser Erklärung geben sich die Verschwörungstheoretiker nicht zufrieden. Sie sind davon überzeugt, dass die Deutsche versucht, ihr Haus vor einer imaginären Kapitalerhöhung in Ordnung zu bringen. Die Logik ist verständlich. Die Deutsche steht vor zwei Übernahmen - dem deutschen Vermögensverwalter Sal Oppenheim und dem Firmenkundengeschäft der niederländischen ABN Amro.

Die Akquisition würde die Kapitalquote der Deutschen negativ verändern. Bei einem geschätzten Preis von zusammen 1,5 Milliarden Euro fiele die Tier-1-Kernquote auf unter 8 Prozent und damit unter das Niveau vergleichbarer Banken. Ein weiteres Argument für eine Kapitalerhöhung ergibt sich auch noch aus Timinggesichtspunkten. Da die britische Lloyds Banking Group eine Mega-Kapitalaufnahme vorbereitet, wäre es nur vernünftig, sich jetzt noch mit Kapital zu versorgen, bevor ein großer Teil der Liquidität von Lloyds aufgesogen wird.

Aber die Deutsche widerstand schon in der Vergangenheit der Versuchung die Märkte anzuzapfen. Selbst auf dem Höhepunkt der Krise predigte sie noch inbrünstig gegen die Übel einer Verwässerung des Aktienkapitals. Es wäre also schon verwunderlich, wenn die Deutsche jetzt ihren Charakter ändern würde, selbst wenn die Akquisitionen gute Titelstories liefern dürften. Die Skeptiker dürfte das aber allenfalls veranlassen über andere Punkte nachzugrübeln. Wenn die Deutsche jetzt auf Einkaufstour geht, obwohl sie hinter der Konkurrenz hinterherhinkt, dann wird sie, gemessen an ihrer Kursentwicklung, ein Nachzügler bleiben. Damit bleibt zumindest die Chance erhalten, dass die Deutsche in einem anderen Quartal mit einer Überraschung aufwarten kann.

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