„Ramschbank“-Plan
Der Lehman-Schwindel

Theoretisch ist es keine schlechte Idee. Doch solange die Bank eine Ausgliederung nicht abschließen und externes Kapital aufnehmen kann, ist der Plan, illiquide Vermögenswerte von 30 Milliarden US-Dollar aus der Bilanz zu drängen, nichts anderes als ein falsches buchhalterisches Spiel. Der Markt hat dies durchschaut.

Nur ein Sprung, und Lehman Brothers ist frei? Nicht so schnell. Der Plan, eine "Ramschbank" mit illiquiden Gewerbeimmobilienwerten von 25 bis 30 Milliarden US-Dollar an die eigenen Aktionäre auszugliedern, könnte als geschickter Weg erscheinen, ein großes Problem loszuwerden. Doch solange Lehman nicht wirklich externes Kapital auftreiben kann, hat der Plan den Beigeschmack buchhalterischen Falschspiels.

Die Idee einer Ramschbank ist an sich nicht schlecht, doch braucht man dafür eine Finanzierung. Lehman hat es auffälligerweise bislang weder geschafft, eigene Aktien oder einen Teil seiner Vermögensverwaltungssparte zu verkaufen, noch konnte man Geldmittel für die Ramschbank selber auftreiben.

Lehman beabsichtigt, die Ramschbank mit etwa 7,5 Milliarden US-Dollar Kapital und 22,5 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten auszustatten. So weit, so vernünftig. Der Haken ist, das derzeit Lehman beides stellen würde. Daher müsste man sowohl mit dem Erstverlust rechnen - zumindest bis die Aktien an die Aktionäre ausgegliedert sind, was nicht vor dem nächsten Jahr passieren wird - als auch mit Zweitverlusten.

Oberflächlich betrachtet sieht die Idee ähnlich aus wie das, was Merrill Lynch tat, als man Vermögenswerte von 6,7 Milliarden US-Dollar bei Lone Star ablud, oder wie das UBS-Geschäft, bei dem Vermögenswerte von 15 Milliarden US-Dollar an BlackRock verkauft wurden. In beiden Fällen lieh die verkaufende Bank der die Vermögenswerte kaufenden Zweckgesellschaft Geld.

Es gibt aber einen riesigen Unterschied. Lone Star und BlackRock nahmen das Erstverlustrisiko auf sich. Noch wichtiger ist, dass beide Investoren darauf bestanden, den Buchwert der Anlagen vor einem Kauf drastisch zu reduzieren. Merrill etwa verkaufte seine Vermögenswerte für nur 22 Cents pro Dollar Buchwert.

Lehman hat seine Vermögenswerte zwar abgeschrieben, aber nur bis auf 85 Prozent des Nominalwertes. Zudem zog Lehman, das in den letzten Monaten bereits Vermögenswerte verkaufte, einige Marktbewertungen heran. Es ist noch ein langer Weg, herauszufinden, was reale Käufer wirklich zu zahlen bereit sind.

Daher trägt also Lehman nicht nur das Erstverlustrisiko, man wird wohl bei den Verbindlichkeiten auch eher einen Zweitverlust erleiden als Merrill und UBS bei ihren Transaktionen. Kein Wunder, dass der Markt offenbar zu dem Schluss gekommen ist, dass Lehmans Vorhaben fürs Erste nur ein indischer Seiltrick ist.

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