Ratingagenturen
Ratingreform greift zu kurz

Der Generalstaatsanwalt des Staates New York und drei große Ratingagenturen stehen kurz davor, sich über ein neues Vergütungsmodell zu einigen, nach dem in Zukunft komplexe Bewertungsverfahren zu bezahlen sind. Der Schritt bleibt allerdings halbherzig. Das neue Verfahren trägt nicht dazu bei, den Ratingagenturen den finanziellen Anreiz zu nehmen, möglichst rosig zu beurteilen.
  • 0

Andrew Cuomo scheint die Wall Street genauso aufrütteln zu wollen wie sein Vorgänger, Eliot Spitzer. Aber der Deal, den der Generalstaatsanwalt von New York Berichten zufolge mit den drei großen Ratingagenturen ausgehandelt hat, wird nicht viel ändern. Cuomo tut zwar gut daran, sich näher mit den Anreizen zu beschäftigen, die zu einer zu günstigen Einschätzung komplexer Finanzgeschäfte führen können. Aber sein Ansatz greift zu kurz und kann das Problem nicht eliminieren.

Cuomo hofft das sogenannte "Ratings Shopping" von Banken einzudämmen, die strukturierte Finanzpakete, wie zum Beispiel hypothekenbesicherte Anleihen konstruieren. Gegenwärtig zahlen sie für das Kreditrating und beauftragen diejenigen Firmen, die die höchsten Bewertungen geben. Dadurch kam es in der Vergangenheit zu einigen unerfreulichen Entwicklungen. Ratingagenturen, die zum Beispiel keinen Auftrag zur Beurteilung der ersten Constant Proportion Debt Obligations (Anleihen auf Indizes für Kreditderivate oder kurz CPDOs) erhielten, veröffentlichten Berichte, nach denen das von der Konkurrenz verliehene Triple-A-Rating (zu Recht) nicht zutreffend sei.

Heute ist es bei den Banken üblich, zunächst bei allen drei großen Ratingagenturen - Moody?s, Standard & Poor?s and Fitch - eine erste Einschätzung einzuholen, die die Agenturen kostenfrei geben. Die Banker können sich dann anschließend für die Firma entscheiden, die die optimistischste Beurteilung in Aussicht gestellt hat.

Cuomo schlägt vor, dass die Ratingunternehmen das Erstgutachten unabhängig vom späteren Auftrag in Rechnung stellen. Dadurch sollen sie einen finanziellen Anreiz erhalten, streng zu bewerten. Aber abgesehen von den höheren Gesamtkosten, die durch drei kostenpflichtige Ersteinschätzungen auf die Emittenten zukommen könnten, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht dennoch die optimistischste Agentur für die endgültige Beurteilung auswählen.

Das Verfahren würde darüber hinaus von den Ratingunternehmen verlangen, offenzulegen, wie hoch ihre Honorareinnahmen aus der Beurteilung von Transaktionen wie zum Beispiel nicht-erstklassigen Hypothekenverträgen sind - darunter fallen Alt-A- und Subprime-Darlehen. Solche Informationen hätten hilfreich sein können, wenn sie schon vor drei Jahren Pflicht gewesen wären. Aber die Aussichten sind sehr gering, dass der Markt für die Verbriefung von zweitklassigen Hypotheken sich wieder in die Nähe seines früheren Niveaus bewegt. Diese Information ist also nicht mehr besonders wertvoll.

Die Objektivität der Ratingunternehmen wird fragwürdig bleiben, bis die Anleger und nicht die Emittenten entscheiden, wer die Kreditwürdigkeit beurteilen soll. Cuomos Instrument, das die Emittenten zur Kasse bittet, könnte ihm einigen Applaus für sein offenbar hartes Durchgreifen einbringen. Den Anlegern allerdings nutzt es wenig.

Kommentare zu " Ratingagenturen: Ratingreform greift zu kurz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%