RBS
Gerade noch einmal geschafft …

Die Royal Bank of Scotland hat ihre Bezugsrechtsemission über zwölf Mrd. Pfund Sterling mit Mühe über die Bühne gebracht. Jetzt muss sie die Übernahme der ABN Amro verdauen und sich mit den Auswirkungen der konjunkturellen Abkühlung in Großbritannien auf ihre Unternehmenskredite und Hypothekenbücher auseinander setzen. Und die Bank könnte mit dem Druck der Aktionäre zu rechnen haben, den Chief Executive, den Chairman, oder beide, auszutauschen.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat die Katastrophe gerade noch einmal abgewendet. Am 2. Juni, als ihre Aktien nur um 26 p über dem Zeichnungskurs lagen, sah die Bezugsrechtsemission über zwölf Mrd. Pfund Sterling gefährdet aus. Aber die Aktionäre haben sich zu mehr als 95 Prozent daran beteiligt. Mit einer brandneuen Kernkapitalquote von sechs Prozent wird das Management der Bank erleichtert durchatmen. Angesichts der Bedenken der Investoren über das Kreditbuch und die Führungsspitze ist die Schlacht für die RBS allerdings noch nicht geschlagen.

Man muss dem Kreditinstitut Lob dafür zollen, dass es mit Erfolg in den sauren Apfel einer Bezugsrechtsemission gebissen hat. Das ist mehr als Bradford & Bingley vorweisen kann. Aber die Aktien der Bank liegen immer noch hinter der Entwicklung des Sektors zurück. Seitdem RBS im vergangenen Jahr ABN Amro gekauft hat, sind die Titel um über 55 Prozent gefallen - um fünf Prozentpunkte mehr als die von Barclays, die im Bieterkampf den Kürzeren gezogen hatte. Die Summe der einzelnen RBS-Teile liegt um ein Viertel höher als ihre Marktkapitalisierung, berichtet MF Global. Beim 0,4fachen des Buchwerts bzw. dem 6,2fachen der Ergebnisse für 2008 könnte das weitere Einbußen für die Aktien bedeuten.

Wo könnten die Schwierigkeiten lauern? Nun, es besteht immer noch die Sorge, es könnte bei den Beständen an US-Subprime-Wertpapieren noch einmal zu Abschreibungen im Handelsbuch der RBS kommen. Allerdings hat die Bank schon fast sechs Mrd. Pfund an Alt-A-Papieren und CDOs unter Verwendung recht strenger Bewertungen abgeschrieben. Beunruhigender ist, dass eine nachlassende Konjunktur in Großbritannien die Unternehmenskredite und die Hypothekenbücher der Bank beeinträchtigen könnte. Aber selbst eine Belastung aus Wertminderungen von 1,73 Prozent, wie sie Anfang der neunziger Jahre verzeichnet worden war, würde die erwartete Kernkapitalquote für 2009 nur auf 5,5 Prozent drücken, rechnet Citigroup vor.

Wenn weitere Abschreibungen ausbleiben, dann könnte RBS langsam unterbewertet aussehen. Aber zwei weitere Gewehrkugeln könnten auf die Bank lauern. Zum einen behauptet die Bank, die Integration von ABN Amro verlaufe gut - im Februar hatte das Institut sogar ihre Synergie-Erwartungen nach oben revidiert. Eine sich abschwächende Wirtschaft könnte solche Prognosen allerdings sehr optimistisch erscheinen lassen.

Und zum anderen sind die Investoren alles andere als begeistert vom Management. Fred Goodwin, der Chief Executive von RBS, mag durchaus ein Experte für die Integration von Unternehmen sein, aber die Anleger haben nicht vergessen, dass sein kühner Griff nach ABN Amro überhaupt erst dazu geführt hat, dass die Bank die Bezugsrechtsemission vornehmen musste. Wenn er nicht geht, dann könnten die Aktionäre zu dem Schluss kommen, dass Tom McKillop, sein Chairman, den Kopf hinhalten sollte.

Die Gerüchte der vergangenen Woche, der aktivistische Investor TCI habe sich der Bank genähert, scheinen daneben zu liegen. Aber die RBS wird hart daran arbeiten müssen, in Zukunft unerwünschte Aufmerksamkeit abzuwehren.

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